Tragik der Landeier

Delius: Romeo und Julia auf dem Dorfe Bielefeld / Theater

Opernwelt - Logo

Vrenchen und Sali könnten glücklich sein. Wenn sie nicht das Pech hätten, aus zwei verfeindeten Bauernfamilien zu stammen. Und sie die gehässige Gesellschaft nicht in den Tod triebe. So funktioniert die gängige Lesart von Gottfried Kellers berühmter Novelle «Romeo und Julia auf dem Dorfe». Frederick Delius hat in seiner gelegentlich wieder aufgeführten Oper die sozialen Zusammenhänge in den Hintergrund geschoben und sich auf das Liebespaar konzentriert.

In Bielefeld, der Stadt, aus der die Familie des Komponisten stammt, zeigt Regisseurin Sabine Hartmannshenn das Paar ganz ohne Romantik, als zwei Menschen, die sich ineinander verlieren, von der Welt abkapseln und aus eigener Schuld in einem Alptraum versinken.

Theoretisch ist das Konzept schlüssig. Die üppige, spätromantische Klangsprache von Frederick Delius braucht keinen szenischen Realismus. Auch wenn die Bielefelder eine für mittlere Musiktheater erstellte, reduzierte Instrumentierung aufführen, bleibt ein Eindruck von Opulenz, auch in der Vielfalt der Mittel. Manche Harmonien erinnern an Wagners «Tristan», ruppige, prägnante Effekte an den Verismo, auch der Einfluss amerikanischer Balladen – Delius lebte einige Jahre als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Stefan Keim

Weitere Beiträge
Vier Stunden, die wie im Fluge vergehen

Liebhabern und Kennern der Barockoper ist der Name Agostino Steffani schon seit Langem vertraut, einer breiteren Öffentlichkeit dürfte der Komponist aber erst durch Cecilia Bartolis Projekt «Mission» im Jahr 2012 bekannt geworden sein (siehe OW 11/2012). Die gleichnamige CD bietet unter anderem drei Ausschnitte aus dem Dramma per musica «Niobe, regina di Tebe»,...

Nichts für Besserwessis

Geschlossen wurde der Pakt, als es auf der Krim noch ruhig war. Als sich die Künstler im politikfreien Raum aalen durften und nicht – ob Gergiev oder Netrebko – mit der einen Frage konfrontiert wurden: Wie hältst du’s mit dem neuen Zar? Auch das ist also eine ungewohnte Rolle fürs Theater Regensburg. Nicht nur Schauplatz sein für eine spektakuläre Uraufführung,...

Vexierbilder

Im Uraufführungsjahr von «Pelléas et Mélisande», 1902, schien die Welt alles Geheimnisvolle zu verlieren. Der Film fixierte Bewegungen, Röntgenstrahlen durchleuchteten den Körper, die Psychoanalyse das Unbewusste. Doch es gab auch den anderen Blick. Maurice Maeterlinck, Debussys Librettist, setzte dem Glauben an die Wissenschaft und dem naturalistischen Abbild eine...