Nichts für Besserwessis
Geschlossen wurde der Pakt, als es auf der Krim noch ruhig war. Als sich die Künstler im politikfreien Raum aalen durften und nicht – ob Gergiev oder Netrebko – mit der einen Frage konfrontiert wurden: Wie hältst du’s mit dem neuen Zar? Auch das ist also eine ungewohnte Rolle fürs Theater Regensburg. Nicht nur Schauplatz sein für eine spektakuläre Uraufführung, sondern auch Auftraggeber für einen Übeltäter – so empfanden es jedenfalls einige.
Anton Lubchenko, Jahrgang 1985, ist in Russland eine Art Staatskomponist.
Valery Gergiev, von dem er sich als Dirigent die Flattergestik abgeschaut hat, fördert ihn nach Kräften. Inzwischen ist er Künstlerischer Leiter des mit üppigen Zuschüssen errichteten Opernhauses in Wladiwostok und schrieb Werke wie die Symphonie «Orthodoxes Russland», eine Kantate über das heute weißrussische Brest und ein Opus über die Geiselnahme im ossetischen Beslan, die in einem Massaker endete.
Mit voller Absicht maskiert sich Lubchenko als Schostakowitsch, Prokofjew, Puccini oder Chatschaturjan, auch in seinem «Doktor Schiwago». Ein Personalstil ist nicht erkennbar. Die zweieinhalb Regensburger Stunden sind zweierlei: eine Dauer-Begegnung mit guten alten ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Markus Thiel
Zwischen den Laken tummeln sich die Marschallin und ihr junger Geliebter Octavian. Unterm Nachthimmel, im Liebesglück. Dann bricht die Außenwelt in ihre Zweisamkeit ein, fliegen Wände und Decke eines prachtvollen Salons heran. Die Vision der freien Liebe ist vorbei, die beiden erwachen im goldenen Käfig.
Mathis Neidhardts Bühnenbild ist das zentrale Element in...
Die wohl bekannteste biografische Nachricht über den Barockkomponisten Antonio Cesti (1623-1669) besagt, dass der in päpstlichen Diensten Stehende um ein Haar exkommuniziert worden wäre, weil er einen Urlaub in Venedig überzogen und sich nicht rechtzeitig in den sixtinischen Hallen zurückgemeldet hatte; allein kaiserliche Protektion beschützte ihn vor weiterem...
Doch nicht! Wir dachten schon, Medea macht sich jetzt mit dem Drachen davon. Mit diesem kleinen grünen Plüschmonster, einem Spielzeug ihrer Kinder. Stattdessen fliegt sie im verglasten Treppenhaus von Kreons schicker Regierungszentrale mit dem Fahrstuhl in die Luft. Die Explosion lässt die Türen Feuer spucken: Medea ist erledigt. Nach dem Gemetzel, das sie...
