Totales Theater
Am 27. Mai wieder in Basel.
Die leere, mit Holzplanken ausgelegte Bühne ragt bis in den Zuschauerraum hinein, das brutal-schöne Bild eines im Wasser liegenden, nur mit einem Slip bekleideten toten Mädchens wird projiziert. In pausenlosen 100 Minuten werden wir zu Augen- und Ohrenzeugen des Menschenschlachthauses, das Aischylos, der älteste der griechischen Tragiker, vor zweieinhalb Jahrtausenden in seiner «Oresteia»-Trilogie entwarf.
Zunächst, mit dem der Handlung vorausgehenden Opfermord Agamemnons an seiner Tochter Iphigenie (noch immer wort- und tonlos als beklemmendes Video), ehe der König selbst, aus dem Trojanischen Krieg zurückgekehrt, von seiner Gattin Klytaimnestra getötet und diese schließlich von ihrem Sohn Orest nach quälendem Kampf erdrosselt wird.
Scheinbar ein Beginn also, wie man ihn von Calixto Bieito erwarten darf. Und dennoch ist an diesem Abend alles anders, weil der katalanische Regisseur kein Stück des Opernrepertoires gegen den Strich liest, sondern ein totales Theater erfindet, bei dem sich die einzelnen Bausteine gegeneinander sperren, gerade in ihrer Diskontinuität aber auch wieder durchdringen. Dazu hat er aus dem Text von Aischylos – in der neuen, glänzenden Übersetzung von Kurt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Uwe Schweikert
Auf dem Cover eine frech-barocke Heroine: Das lässt auf lebendigen Inhalt schließen – und die Erwartung erfüllt sich. Selten wird Wissen, oft auch Grundlagenwissen, zur Oper so farbenfroh dargeboten wie in diesem Taschenbuch. Ein erster Abschnitt klärt Basisfragen: Aus was besteht Oper und wie ist sie gemacht? Ab dem zweiten Abschnitt geht es ins Detail: Welches...
Der Bogen spannt sich von «Nabucco» zu «La Damnation de Faust». Mit einer Verdi-Premiere hatte die zehnjährige Amtszeit des Bremer GMD Markus Poschner im Oktober 2007 begonnen, jetzt endet sie mit einer musikalisch gelungenen Präsentation der Berlioz’schen Goethe-Adaption. Ein symbolträchtiger Weg, der auch die stetige Weiterentwicklung der Bremer Philharmoniker zu...
Als sich zur Ouvertüre der Vorhang im Auditorium de Dijon hebt, glimmt Hoffnung auf: neues Konzept! Eine Rückblende deutet darauf hin, dass Sarastro eigentlich Paminas Vater ist und Papageno deren früh verlassener Bruder. Die Handlung spielt nach einer Umweltkatastrophe: Die Welt ist zur Wüste geworden, sämtliche Relikte der kapitalistischen Wirklichkeit liegen...
