Zukunftswerkstatt?
Eines verbindet die drei neuen Kammeropern, die das Opera Forward Festival dieses Jahr zeigte: In den Libretti wimmelt es nur so von Schimpfwörtern. Der Schriftsteller Douglas Adams erfand für sein «Hitchhiker»-Universum einst eine Drehbuch-Auszeichnung für «den überflüssigsten Gebrauch des Wortes fuck. Gäbe es einen solchen Preis – hier sind drei Kandidaten.
Eigentlich befassen sich Mohammed Fairouz’ «The New Prince», Moritz Eggerts «Caliban» und Calliope Tsoupakis «Fortress Europe» mit den drängendsten Fragen unserer Zeit: Immigration, Kolonialismus, Vertreibung, überhaupt Angst vor dem Anderen. Dabei stellen sie unfreiwillig die große Hilflosigkeit im Umgang mit diesen Fragen aus – indem sie von einem Klischee ins nächste stolpern. Das Ergebnis ist im besten Fall bevormundend. Und im schlimmsten total daneben.
Ein eleganter Gang durchs Minenfeld gelingt einzig «And You Must Suffer», einer Koproduktion des Festivals mit dem Belgischen Theaterkollektiv Transparent. Musikalische Qualität garantiert Bachs «Johannespassion» – doch auch die Ergänzungen von Annelies Van Parys und Samir Odeh-Tamimi zeichnen sich durch eben die Frische, Tiefe und Vielschichtigkeit aus, die den anderen ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Shirley Apthorp
Seit der «Walküre» vor einem Jahr hat sich die Szenerie des Kieler «Rings» grundlegend verändert. Mit der Verpflichtung einer neuen Bühnenbildnerin, der japanischen Installations- und Performancekünstlerin Chiharu Shiota, scheint der regieführende Intendant Daniel Karasek auch sein Konzept noch einmal überdacht zu haben: Der technologiekritische Ansatz, der sich...
Kann Oper eigentlich cool sein? Kann der überhöhte und überhöhende Tonfall des «unmöglichen Kunstwerks» (Oscar Bie) die gewollte Lässigkeit und rotzige Lakonie Heranwachsender einfangen? Oder ist Oper – zumindest in ihrer traditionellen Spielart mit klassisch ausgebildeten, gestützten und vibrierenden Stimmen – nicht tatsächlich das schiere Gegenteil von cool?...
Die Zeit, versprach einst Gilbert Bécaud, nehme alle Probleme fort und löse sie auf. Doch welche Zeit meinte er eigentlich? Die auf der Uhr ablesbare objektive? Oder die subjektive, die sich nicht nach Stunden und Tagen bemessen lässt? Das Berliner Festival Maerzmusik, wo man für gewöhnlich Originalität mit Aktualität verwechselt und noch immer an eine Neue Musik...
