«TÖNE AUS EINER ANDERN WELT»

Christian Gerhaher engagiert sich für Othmar Schoecks schwermütig-dunklen Liedzyklus «Elegie»

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Mit seinen mehr als 400 Liedern gehört der Schweizer Othmar Schoeck zu den produktivsten musikalischen Lyrikern des 20. Jahrhunderts. Im Konzert begegnet man den originellen, stilistisch zwischen Spätromantik und Moderne vermittelnden Kompositionen höchst selten. Selbst eine 2017 erschienene Gesamtedition seines Liedœuvres auf zwölf CDs hat nichts daran geändert. Doch die vorurteilslose Wiederbegegnung mit Schoeck lohnt. Christian Gerhaher jedenfalls schätzt den späten, resignativ-grüblerischen Schumann-Nachfolger.

Bereits mit seiner 2009 vom Label ECM vorgelegten Aufnahme des düsteren, mehr als einmal den Rand des Verstummens streifenden Zyklus «Notturno» hat er sich als bedeutender Schoeck-Interpret erwiesen. Jetzt legt er mit der 1921–23 entstandenen «Elegie» einen weiteren Liederzyklus vor, der sich in seiner kammermusikalisch expressiven Verdichtung durchaus mit Arnold Schönbergs «Pierrot lunaire» messen kann, allerdings im Gegensatz zu diesem nicht ins Sublim-Groteske, sondern ins Nachtschwarz-Unheimliche führt. Man hat die 24 Lieder auf Gedichte Joseph von Eichendorffs und Nikolaus Lenaus immer wieder mit Schuberts «Winterreise» verglichen. Einen Handlungsfaden besitzt der ...

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Opernwelt 6 2022
Rubrik: CDs, DVDs, Bücher, Seite 35
von Uwe Schweikert

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