Todesschatten im Traumraum
Wie ein Todeswunsch klingt? Beispielsweise so wie in der tiefgreifenden Schmerzensszene «Pallid’ombre, che scorgete» aus dem dritten Akt von Mozarts Seria «Mitridate, re di Ponto». Doch nicht etwa in Moll-Tonart hat der Komponist dieses Recitativo accompagnato und die anschließende Cavatine der gekrönten, aber unglücklichen Königin gehüllt, wie zuvor noch in Aspasias Agitata-Arie «Nel sen mi palpita», sondern in das numinos-erhabene Es-Dur.
Auf der Schwelle zum Jenseits ruft Bianca Tognocchi nun jene «bleichen Schatten» der elysischen Gefilde an, die als schwarzmaskierte und -gekleidete Schemen um sie herumgeistern (Kostüme: Ursula Kudrna, Choreographie: Sommer Ulrickson), damit sie im Tod ihren Seelenfrieden finden möge – und das so expressiv, so intensiv, dass man ihr dieses Verlangen tatsächlich abnimmt. Ein Glück nur, dass just in dem Augenblick, als die verkaufte (und von einer um sie herumkreisenden Tänzerin als solche auch «symbolisch» gekennzeichnete) Braut den vom Majordomus (der Schauspieler Philippe Jacq) gereichten Giftbecher an die Lippen führt, der Geliebte eintrifft und sie vom Ärgsten abhält. Leben soll sie, die Schöne, wenngleich auch nicht mehr an seiner Seite. ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Jürgen Otten
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Als Intendantin habe ich die Möglichkeit, auf Impulse zu reagieren, die aus dem Ensemble kommen. Im Fall «Kassandra» wurde ich von der Schauspielerin Christina Huckle auf den Text von Christa Wolf aufmerksam gemacht: «Lass uns da was draus machen. Der Text lässt mich nicht mehr los.» Das war der Startpunkt. Als Regisseurin bin ich hauptsächlich mit den großen...
