Chance vertan

Donizetti: Lucrezia Borgia MANNHEIM | NATIONALTHEATER

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Wenn Gennaro und seine Kumpels beim Fest im Palast der Fürstin Negroni ausgelassen dem Madeira zusprechen, tänzelt die Musik triolisch federnd und in ausgelassenem C-Dur. Das sollte zumindest so sein im zweiten Akt von Donizettis Melodramma «Lucrezia Borgia». In der akustisch mehr als befriedigenden Ausweichspielstätte OPAL des Nationaltheaters Mannheim scheint dem achtbaren Herrenchor und dem substanziell spielstark sich mühenden Orchester im Graben längst die Puste ausgegangen zu sein.

Generalmusikdirektor Roberto Rizzi Brignoli ist mit bleiernen Füßen unterwegs, eigentlich vom Beginn des Prologs an: endlose Pausen zwischen den Nummern, verschleppte Tempi, rhythmische Schlaffheit. Lasche Punktierungen sind der Tod jeder Belcanto-Oper.

«Lucrezia Borgia» gehört zu jenen Bühnenwerken, deren Ruf schlechter ist als ihr musikalischer Rang. Zu selten gespielt, zu schnell abgetan, findet das Werk nun eine Bühne — und dann das. Denn der Abend lässt ahnen, was an düsterer Kraft und (melo-)dramatischer Radikalität in diesem Rachedrama steckt: Gift, Inzest und andere moralische Abgründe sind nur ein Aspekt dieser Männeroper, in deren Zentrum die Protagonistin tatsächlich die einzige Frau ...

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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Götz Thieme

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