Chance vertan
Wenn Gennaro und seine Kumpels beim Fest im Palast der Fürstin Negroni ausgelassen dem Madeira zusprechen, tänzelt die Musik triolisch federnd und in ausgelassenem C-Dur. Das sollte zumindest so sein im zweiten Akt von Donizettis Melodramma «Lucrezia Borgia». In der akustisch mehr als befriedigenden Ausweichspielstätte OPAL des Nationaltheaters Mannheim scheint dem achtbaren Herrenchor und dem substanziell spielstark sich mühenden Orchester im Graben längst die Puste ausgegangen zu sein.
Generalmusikdirektor Roberto Rizzi Brignoli ist mit bleiernen Füßen unterwegs, eigentlich vom Beginn des Prologs an: endlose Pausen zwischen den Nummern, verschleppte Tempi, rhythmische Schlaffheit. Lasche Punktierungen sind der Tod jeder Belcanto-Oper.
«Lucrezia Borgia» gehört zu jenen Bühnenwerken, deren Ruf schlechter ist als ihr musikalischer Rang. Zu selten gespielt, zu schnell abgetan, findet das Werk nun eine Bühne — und dann das. Denn der Abend lässt ahnen, was an düsterer Kraft und (melo-)dramatischer Radikalität in diesem Rachedrama steckt: Gift, Inzest und andere moralische Abgründe sind nur ein Aspekt dieser Männeroper, in deren Zentrum die Protagonistin tatsächlich die einzige Frau ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Götz Thieme
Füchse sind kaum zu domestizieren. Soll der Versuch auch nur ansatzweise gelingen, bedarf das Tier erheblicher Freiheiten. Der Förster in Janáčeks Oper zeigt sich bereit, der jungen Füchsin, die er gefangen hat, allerhand Lizenzen einzuräumen. Keine Frage, den Waidmann fasziniert, wie Füchslein Schlaukopf unter lauter domestizierten Wesen – gleich ob Mensch oder...
Ich formte sie, ich bildete sie, ich löste ihr die Seele und Zunge […] sie war mein Geschöpf», das stammelt der unter Mordverdacht stehende Gesangslehrer Maestro Salvatore in der frenetischen Gerichtsszene ohne Richter, mit der unvermittelt Peter Ronnefelds Oper «Die Ameise» beginnt. Das Publikum, staccato im respondierenden Doppelchor, führt sich als die...
Der Tod kommt in Puccinis «La Bohème» erbarmungslos schlicht daher: ein knapper Harmoniewechsel ohne Trost und Verklärung. Als Mimì stirbt, fällt sie einfach vom Stuhl und bleibt zusammengekrümmt in der Mitte der Bühne liegen. Rodolfo und seine Künstlerfreunde werden in Hans Walter Richters Inszenierung mit der gesamten Kulisse von ihr weggerissen und ins...
