Irre gut

Lisette Oropesa überzeugt mit Donizettis «Lucia di Lammermoor»

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Was Wahnsinn sei, was Genialität, ist strittig – und materiell, mit Hirnströmen etwa, so wenig zu messen wie zu erklären. Dass vokale und darstellerische Genialität bei der musiktheatralischen Vorführung des Wahnsinns hingegen vorteilhaft ist, haben Sängerinnen wie Anna Moffo, Renata Scotto, Beverly Sills, Montserrat Caballé, vor allem aber Joan Sutherland und Maria Callas (Letztere mit der vielleicht besten Einspielung des Werks, Cetra Berlin 1955, Herbert von Karajan) als mörderische Irre vom Lammermoor Castle dokumentiert.

Den atemraubenden Darlegungen der vulkanischen Callas und der exaltierten Sutherland stehen dabei die gepflegten Neurosen der Moffo oder die einem «mütterlichen» Tonfall aufgesetzten Pianissimo-Zauberkoloraturen der Caballé gegenüber.

In diesen Kreis der Erlauchten wurde nun Lisette Oropesa gebeten (in einer Studioaufnahme notabene, was heute eher die Ausnahme darstellt). Die Sopranistin hat die Partie Dutzende Male an großen Häusern gesungen, «Il dolce suono» ist für sie so etwas wie ein «Party-Piece». Dabei fand sie für sich einen individuellen, stimmigen Ton, der sie von den Mitstreiterinnen abhebt. Durch die erfolgreiche Einspielung von Bellinis ...

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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Medien, Seite 34
von Gerhard Persché

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