Tod und Verklärung
Märchen mögen Zufluchtsorte der Fantasie in einer unbehausten, verheißungslosen Welt sein – herzwärmend sind sie selten. Auch jenes von den Königskindern ist grausam und zugleich sehr aktuell: Das Liebespaar – ein naiv empathischer Königssohn und eine von einer Hexe aufgezogene, gleichwohl edelherzige Gänsemagd («Gutmenschen» würden die beiden heute wohl abschätzig genannt) – geht an Habgier und Egoismus der Gesellschaft zugrunde.
Nur wenige Menschen reinen Herzens, Kinder und der Spielmann, ein Außenseiter, sehen ihnen ins Innere; Letzterer prägt in Markus Butters einfühlsamer Gestaltung den Schluss des Stücks: «Fühlt aus dem Tode sie auferstehn und leuchtend in eure Herzen gehn: die Königskinder». Tod und Verkärung, Version Humperdinck.
Alles in allem endet das Ganze sehr depressiv, zum Vorweihnachtsstück wie «Hänsel und Gretel» taugt das nun wirklich nicht. Dennoch ist die Grazer Produktion mit ihrer Premiere im Dezember am richtigen Platz; zudem ist sie die erste in Österreich seit 1945. Warum dieses Werk, das viele Kenner für Engelbert Humperdincks bestes halten, das sich aber trotz seiner bemerkenswerten Partitur (und trotz eines triumphalen Erfolgs bei der Uraufführung ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Gerhard Persché
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