Tod im Bällebad

Mussorgski: Boris Godunow LYON | OPÉRA NATIONAL

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Die Kinderstube von Prinz und Prinzessin verrät den Parvenü-Zaren. Statt pädagogisch hochwertigem Holzspielzeug sieht man einen Haufen inflationäres Plastik. Einzelstücke zieren sonst die Kinderzimmer eher bildungsferner Schichten. Die maßlose Häufung im Kreml weist den «Herrscher aller Reußen» als sozialen Aufsteiger und Neureichen von zudem zweifelhafter Legitimität aus. 

Im Kreml aber geriert sich der Monarch als Hausvater. Hier darf er sich als Ahnherr eines neuen Herrschergeschlechts empfinden.

Das künstliche Paradies für den Nachwuchs indessen gaukelt dem in seiner Stellung anfechtbaren Zaren solche Hoffnungen nur vor. Fortschreitend erblindet Boris Godunow für die Realität. Statt auf dauerhafte Erfolgsbahn führt sein Weg und der seiner Kinder in Scheitern und Untergang. Regisseur Vasily Barkhatov und Bühnenbildner Zinovy Margolin erblicken im privaten Rückzugsort der Kinder -stube mit berechtigtem Grund die Herzkammer des in Lyon gespielten Ur-Boris aus dem Jahr 1869.

Über dem künstlichen Idyll hat freilich Fürst Schuiski längst sein verhängnisvolles Netz geknüpft. Barkhatov lässt ihn von Anfang an intrigieren. Er besticht gar Pimen, dem seines Mönchsstandes überdrüssigen ...

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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Michael Kaminski

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