Endstation Sehnsucht
Zu den flirrenden Klängen der Ouvertüre wird in Tom Goossens’ Inszenierung von Verdis «La traviata» ein großer Scheinwerfer hinabgesenkt. Über ein meterlanges Kabel ist er mit einem Schaltpult verbunden, das von der Titelheldin selbst bedient wird. Immer mehr dieser Leuchtmittel senken sich herab und tauchen die Bühne in reines, strahlendes Licht. Es zeigt Violetta Valéry pur, unverstellt – so, wie sie ist. Doch dann wird eine Folie vor den zentralen Scheinwerfer geschoben. Auf Knopfdruck ergießt sich pinkfarbenes Partylicht über die Bühne.
Violetta inszeniert sich als Königin einer schillernden Ballgesellschaft im lavendelfarbenen Rüschenkleid. Erste Anzeichen von Krankheit und Verfall werden konsequent herausgefiltert.
Das Licht spielt die Hauptrolle an diesem Theaterabend. Die Bühne besteht nur aus einem Podest, über das (mitunter) ein pinkfarbener Teppich ausgerollt wird. Darauf das Lichtpult – sonst nichts. Die Kulisse wird von den Darstellern selbst geformt. Der Opernchor glänzt in farbprächtigen, aus originellen Einzelstücken zusammengefügten Kostümen (Sietske Van Aerde, Lena Mariën) die an die Bilderwelt von Otto Dix erinnern, als lebendige Kulisse. Der Regisseur Tom ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Silvia Adler
Erlösung heißt hier Hofstallgasse, das Flanierfeld vor den Festspielhäusern. Ein entspanntes Schlendern, händchenhaltend, vielleicht auf dem Weg zu einem G’spritzten. Und ein Blick zurück in die Videokamera: Holländer und Senta, nach letzten stimmtötenden Phrasen nun glücklich vereint. Man fürchtet ein wenig, dass sie zu Wagners finalen Takten auch noch winken. Es...
Für ihn sei ein Liederabend «wie eine Zusammenstellung von Gemälden, die Ahnungen in einem hervor -rufen, dann aber zu substanziellem Durchdringen führen müssen» – so umreißt Christian Gerhaher Sinn und Aufgabe eines solchen Recitals. Dazu brauche es Geduld, ergänzt er, und diese lerne man meist «erst im Laufe des Lebens, im Umgang mit klassischen Inhalten». Diese...
Als Carolina López Moreno in der Titelrolle ihre Arie «In quelle trine morbide» im zweiten Akt in ein intensives piano kleidet (sie trauert hier der Zeit mit Des Grieux nach), da deutet sich schon an, dass ihr großer Schlussauftritt «Sola, perduta, abondonata» etwas Besonderes werden könnte. In der Kölner Oper im Staatenhaus kniet sie in einer Industriebrache...
