Tod auf dem Backstage-WC
Der Kontrast von elegischem Kolorit und einer den Sprung in die Moderne vollziehenden Burleske ist ähnlich reizvoll wie das klassische Doppel von Mascagnis «Cavalleria rusticana» mit Leoncavallos «Pagliacci». Durch die Kombination der «Cavalleria» mit dem 25 Jahre später entstandenen «Gianni Schicchi» wird das kriminologische Potenzial Italiens in Opernform weitaus vielfältiger.
Denn statt zweier relativ kurzer Stücke über mehrere Ehren- und Eifersuchtsmorde im ländlichen Raum erlebt man in Erfurt durch «Gianni Schicchi» die Erweiterung dieser affektiven Rechtsverstöße um einen im urbanen Florenz eingefädelten Erbschaftsbetrug.
Dass Regisseur Markus Dietz zum eindeutigen Verständnis von Liebesbegebenheiten gern Schwarz-Weiß-Videos einsetzt, weiß man in Erfurt seit seiner Inszenierung von Rossinis «Le Siège de Corinth». Auch in Mascagnis Oper kommt auf der Bühne von Ines Nadler mit Feuerschale zur Osternacht und einer Wand mit Neonröhren erst die ehebrechende Lola mit Turiddu ins Bild, später die sich ekstatisch am Eklat und seinen Konsequenzen erhitzende Siedlungsgemeinschaft (der von Markus Baisch vorbildlich einstudierte Chor des Hauses). Die Leute sind ärmlich. Eine solche ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Roland H. Dippel
Bei allem gebotenen Ernst: Das hier einmal ausgesprochen physisch dargebotene Schlussgerangel um den Ring, in dessen Verlauf die Rheintöchter Hagen buchstäblich niederringen, ist dann doch ziemlich lustig. Hin und her geht es. Hagens «Zurück vom Ring!», immerhin die letzten Worte des Stücks, bleiben folgenlos, wie ja generell das vielleicht sinnvolle Abstandsgebot...
Glucks am 18. Mai 1779 in Paris uraufgeführte «Iphigénie en Tauride» war nicht die erste französische Oper, die den Stoff des antiken Dramas von Euripides aufgriff. Fast auf den Tag genau 75 Jahre früher war an der Pariser «Académie Royal de Musique» das Gemeinschaftswerk von Henry Desmarest und André Campra herausgekommen. Der wegen seiner Liaison mit einer...
Ach ja, die Liebe. Schwierige Angelegenheit. Wer mit ihr in Berührung kommt, begibt sich unweigerlich in große Gefahr (und kommt nicht selten darin um), wer ihr ausweicht, hat etwas Wesentliches im Leben außer Acht gelassen. Das wissen wohl auch Margarita und die Mädchen, wenn sie zu Beginn des zweiten Akts von Louise Bertins «Fausto» den Chor «Fuggite amor»...
