Als wär's ein Stück von heut'
Auf den ersten Blick wirken seine Artefakte amorph, wie zerklüftet im Lauf der Jahre. Länger betrachtet lassen die scheibenartigen Skulpturen indes oft menschliche Gestalten erahnen, die mit der Zeit ihre Eigenart verloren haben: Gesichter, kaum noch erkennbar. Manchmal sind es derer sogar zwei. Nicht eben zufällig hat der britische Bildhauer Tony Cragg vor einigen Jahren der Doppeldeutigkeit einer überlebensgroßen Bronzeplastik am Ende einen Namen gegeben: «Castor & Pollux». So benannt nach dem Brüderpaar der griechischen Sagenwelt.
Ihn um eine Bühnengestaltung zu bitten, erscheint für ein Staatstheater wie jenes in Meiningen, das immer wieder auf die Mitarbeit bildender Künstler setzt, nur folgerichtig. Und Sir Tony, obwohl bald 76 Jahre alt, hat sich willig der Herausforderung gestellt und im engen Verein mit Verena Hemmerlein erstmals einen Raum entworfen, der Rameaus Oper «Castor et Pollux» aus ihrer mythischen Verankerung löst und der Phantasie freien Lauf lässt. Im ersten Akt sind es noch projizierte Zeichnungen, vielsagende Ornamente und Farbstrahlen, die einen unversehens in die Geschichte von Bruderliebe, Tod und Verklärung hereinholen. Erst im zweiten Akt kommen die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Hartmut Regitz
Fürwahr, der hanebüchene Plot des zu Weihnachten 1833 an der Mailänder Scala uraufgeführten Werks geht in diesem Fall nicht auf das Konto des Librettisten. Im Gegenteil, Felice Romani tat alles, um die Knoten der schauerromantischen Tragödienvorlage Victor Hugos zu entwirren. So wird die in Venedig und Ferrara angesiedelte Handlung überhaupt erst nachvollziehbar:...
Aus der Schweiz dringt ungute Kunde zu uns: Luzerns Stimmbürgerinnen und -bürger votierten Anfang Februar gegen einen sogenannten «Projektierungskredit» für den Neubau des städtischen Theaters. 58 Prozent der Befragten stimmten mit Nein, und das, obwohl das Stadtparlament sich zuvor einhellig, über alle Parteigrenzen hinweg, für das mit 130 Millionen Schweizer...
Frau Zaharia, Ihr Weg zur Oper scheint nicht der geradlinigste gewesen zu sein. Sie haben als Pianistin begonnen und wollten dann Musikwissenschaftlerin werden. Singen war nur die dritte Option?
Und Oper die vierte. Ich habe sechzehn Jahre Klavier gelernt und ein Lehrdiplom erworben, darf also unterrichten – hoffentlich kommt es niemals dazu (lacht) … Das...
