Als wär's ein Stück von heut'
Auf den ersten Blick wirken seine Artefakte amorph, wie zerklüftet im Lauf der Jahre. Länger betrachtet lassen die scheibenartigen Skulpturen indes oft menschliche Gestalten erahnen, die mit der Zeit ihre Eigenart verloren haben: Gesichter, kaum noch erkennbar. Manchmal sind es derer sogar zwei. Nicht eben zufällig hat der britische Bildhauer Tony Cragg vor einigen Jahren der Doppeldeutigkeit einer überlebensgroßen Bronzeplastik am Ende einen Namen gegeben: «Castor & Pollux». So benannt nach dem Brüderpaar der griechischen Sagenwelt.
Ihn um eine Bühnengestaltung zu bitten, erscheint für ein Staatstheater wie jenes in Meiningen, das immer wieder auf die Mitarbeit bildender Künstler setzt, nur folgerichtig. Und Sir Tony, obwohl bald 76 Jahre alt, hat sich willig der Herausforderung gestellt und im engen Verein mit Verena Hemmerlein erstmals einen Raum entworfen, der Rameaus Oper «Castor et Pollux» aus ihrer mythischen Verankerung löst und der Phantasie freien Lauf lässt. Im ersten Akt sind es noch projizierte Zeichnungen, vielsagende Ornamente und Farbstrahlen, die einen unversehens in die Geschichte von Bruderliebe, Tod und Verklärung hereinholen. Erst im zweiten Akt kommen die ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Hartmut Regitz
Grimmig sieht er aus, der Licht- und Feuerbringer, von Schatten umgeben, verdüstert irgendwie. Doch liest man die Verse, die der Geheimrat Goethe seinem «Prometheus» in die Seele streute, muss man sich nicht wundern. Da fürchtet jemand um den Bestand der Erde, und weil er ein aufrichtiger Geist ist, gibt der an den Kaukasus geschmiedete Menschenfreund dem obersten...
JUBILARE
Sie ist der Beweis, dass es auch im Gesang Wunderkinder gibt: Anja Silja, die am 17. April ihren 85. Geburtstag feiert. Ausgebildet von ihrem Großvater gab sie mit 15 Jahren ihren ersten Liederabend, ein Jahr später debütierte sie in Braunschweig auf der Opernbühne. Nach drei weiteren Jahren, sie war neunzehn, sang sie an der Wiener Staatsoper unter Karl...
Wer in Düsseldorf das Opernhaus besucht, zumal wenn die Sonne scheu-warm vom Himmel auf den benachbarten Hofgarten herabblinzelt, kommt um den wohl größten Sohn der Stadt kaum herum. Und so muss man auch an diesem milden Spätwintertag sogleich an Heines Gedicht «Frühling» denken, an diese lichten, leichten Verse: «Die Wälder und Felder grünen, / es trillert die...
