Hinreißend
Hier stimmt einfach jedes Detail. Erstaunlich ist eigentlich nur, dass dieses Libretto vor mehr als 300 Jahren entstand und nicht erst vor ein paar Monaten. Vincenzo Grimani schrieb es, überaus frei im Umgang mit der römischen Geschichtsschreibung. «Agrippina», Händels erster großer Bühnenerfolg, wird in Zürich zu einem aufregenden, absolut heutigen Abend, bei dem all das aufgeht, was bei vielen Opernübertragungen in einem anderen Erzählkontext oft ein bisschen knirscht.
Und das gelingt auch noch mit einer unaufgeregten Selbstverständlichkeit: mit ungeheurer Präzision und großartigen Sängerdarstellerinnen und -darstellern.
Aus der Geschichte um Agrippina, die ihren Sohn aus erster Ehe auf den Thron Roms wuchten will, als sie erfährt, der Kaiser, ihr Mann Claudio, habe auf See den Tod gefunden, macht Jetske Mijnssen einen Krimi um Liebe, Gier und Macht, der an so großartige Serien wie «Succession» oder «House of Cards» erinnert, ohne diese je zu kopieren. Zur Ouvertüre sieht man einen Film: Abendessen in der familiären Firmenzentrale. Am Tisch Agrippina, Claudio, Nerone sowie Ottone, Claudios bester Freund und späterer Lebensretter. Claudio wird übel, er bricht zusammen, vermutlich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Egbert Tholl
Es muss ihm wie ein Traum vorgekommen sein. Schon ein Greis war Gustave Charpentier, als die Opéra-Comique in Paris anlässlich des 50-jährigen Bühnenjubiläums seiner «Louise» eine neue Inszenierung durch den französischen Maler Maurice Utrillo vorbereitete, die gut und gern unter dem Motto «1000 Mal berührt, und stets ist etwas passiert» hätte stehen können. Denn...
Hat hier jemand etwas von «Krise» gesagt? Einen Monat nach der Premiere ist in Halberstadt eine «Traviata» von Giuseppe Verdi zu erleben – vor nahezu ausverkauftem Haus. Die Aufführung ist lebendig und frisch, alle wichtigen Rollen sind aus dem Sängerensemble des Hauses besetzt, auf erstaunlichem Niveau: Jessey-Joy Spronk ist eine Violetta von starker sängerischer...
Eine todbringende Gesellschaft ist das, aber lustig anzusehen. Besondere Erheiterung schaffen jene beiden Pferde, welche die Omnibus-Kutsche, eine Vorform des öffentlichen Verkehrs, auf die Bühne ziehen. Die Pferde – nun, es sind keine Pferde, sondern Theatertiere, gespielt von Statisten, die ihre Wartezeiten in eher gekrümmter Körperhaltung und mit gewiss nicht...
