Tod am Geburtstagstisch

In Amsterdam inszeniert Barrie Kosky Puccinis «Il trittico» humorvoll und fern aller Klischees, in Oldenburg glänzen die Sänger und teilen sich drei Regisseure die Arbeit

Opernwelt - Logo

Opern, in denen eine Autohupe und eine Sirene als Instrumente zum Einsatz kommen, haben höchsten Seltenheitswert. Kirchenglocken als Übernahme eines akustischen Alltagsphänomens in die Sphäre der Kunstmusik waren zur Uraufführung von «Il trittico» anno 1918 an der New Yorker Metropolitan Opera allerdings schon etabliert: In Mascagnis «Cavalleria rusticana» sind sie zu hören wie bei Puccini selbst – in seinem mit viel Blut getränkten Verismo-Schocker «Tosca».

Diese deutlich wahrnehmbaren Zutaten aus dem wahren Leben sollten die in der Romantik oft mythologisch wie märchenhaft der Welt enthobene Gattung «Oper» mit der Wirklichkeit versöhnen und dazu auch mit den unschönen, aber als nötig erachteten Mitteln der Drastik kurzschließen. Der fatalistischen Stimmung auf dem Lastkahn des Michele, der auf der Seine südöstlich von Paris schippert, verleiht das Herüberwehen dieses auskomponierten Großstadt-Sounds jedenfalls die Glaubwürdigkeit eines ungeschminkten Lebens: seine Dumpfheit, seine Härte, seine grellen Farben. «Il tabarro», Teil eins von Giacomo Puccinis kontrastprallem Triptychon, steht denn auch in der Tradition des französischen «Grand Guignol», jener schonungslosen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 19
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Wechselhafte Gefühle

Die Geschichte spielt in vorchristlicher Zeit, und sie ist so abenteuerlich, so absurd, dass man heftig das Haupt schütteln müsste, wüsste man nicht um den Erfindungsreichtum jenes Mannes, der sie niederschrieb: Pietro Metastasio bewies auch mit «Alessandro nell’Indie» auf Racines Tragédie «Alexandre le Grand» aus dem Jahr 1665 (die wiederum ihre frühen Quellen bei...

Starke Stücke

Drei Novitäten pro Saison herauszubringen, war das Minimum, als Alexander Zemlinsky Musikdirektor des «Neuen Deutschen Theaters» (der heutigen Staatsoper) in Prag war. Novität meint: ein Stück, das noch nie zuvor am Haus gespielt worden war. Meistens war das ein Werk, das druckfrisch aus dem Verlag kam. Gerade einmal vier Monate nach der Uraufführung brachte...

Funkenflug

Nach gehörig zackigem Beginn: alles ein großer Seufzer. Die äußeren Umstände, der falsch gedeutete Scheintod der Giulietta, das verzweifelt vorzeitig genommene Gift zum Tode des Romeo, all das ist nur die schnöde Außenwelt eines inneren Dramas, das sich in Bellinis überlangen Bögen abrollt vom ersten Moment an, als Rosa Feola, «in lieta vesta», zur Hochzeit mit dem...