Tief im Spießermief

Frankfurt, Smetana: Die verkaufte Braut

Opernwelt - Logo

Blauweiße Kacheln mit Herzchenmuster. Weißes Giebelfachwerk, Krüge schwenkende Bauern. Eine Wiederauflage von Heinz Schenks legendärem «Blauen Bock»? Beinahe! Stein Winge inszeniert an der Oper Frankfurt Bedrich Smetanas «Verkaufte Braut». Der norwegische Regisseur verpflanzt die tschechische Festoper par excellence in eine spießige Tümelei. Kostümbildner Jorge Jara hat viel deutsches Nachkriegsfernsehen geschaut: Damen mit Hochfrisuren schwenken in Kittelschürzen oder hochgeschlossenen Kleidern Wisch­mobs.

Die Herren im Blaumann oder in grau-braunen Hochwasserhosen und Feinrippunterhemden stemmen Bierseidel. Das schaute zu Beginn alles noch ganz ver­gnüglich aus. Was hätte nicht alles daraus werden können?! Eine hochkomische Parodie auf den Mief der fünfziger Jahre, eine bitterböse Satire auf eine Spieß­bürgerlichkeit, wie sie der österreichische Zeichner Deix so drastisch zeigt.
Doch Stein Winge springt in Frankfurt zu kurz: Die Ironiesignale sind schwach. Seine «Verkaufte Braut» wird keine Karikatur des Spießertums, sondern bleibt tief im Mief stecken. Und so wird alles Klischee: Die Eltern Maries, der Titel­figur, sind vertrottelt. Ihr Geliebter Hans ist ein Beau mit Charme, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Thomas Rothkegel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vergessener Ritter

Betrachtet man das spanische Musik­leben zwischen dem ausgehenden 18. und dem frühen 19. Jahrhundert, so wurde international unter den einheimischen Akteuren vor allem ein Name wahrgenommen: Manuel García. Die Zeitgenossen schätzten García als Sänger und Komponisten, auf seine herausragende Stellung deutet nicht zuletzt die Tatsache, dass drei seiner Kinder...

Existenziell ist nicht genug

Schwester Helen ist eine besondere Nonne. Im Duett mit dem Todeskandidaten Joseph trällert sie Songs von Elvis Presley, deutet an, dass sie das Zeug zum Partygirl hätte. Es ist jene Szene im zweiten Akt von Jake Heggies «Dead Man Walking», die uns die Vielseitigkeit der sozial engagierten Katholikin aus New Or­leans zeigen möchte, sie endgültig zur Heldin des...

Schostakowitsch: Lady Macbeth von Mzensk

Die Mauern des Hinterhofes sind so hoch, dass man den Himmel nicht sieht. Manche der Fenster sind vergittert. Sie umrahmen die Tristesse von Arbeiterinnen an der Nähmaschine. Über ihnen könnte eine Auf­seherpeitsche aus der Zarenzeit zischen. Oder die stali­nis­tische Gewalt (der Entstehungszeit der «Lady») hängen. Oder auch die neue postsowjetische Trostlosigkeit....