Tief im Spießermief

Frankfurt, Smetana: Die verkaufte Braut

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Blauweiße Kacheln mit Herzchenmuster. Weißes Giebelfachwerk, Krüge schwenkende Bauern. Eine Wiederauflage von Heinz Schenks legendärem «Blauen Bock»? Beinahe! Stein Winge inszeniert an der Oper Frankfurt Bedrich Smetanas «Verkaufte Braut». Der norwegische Regisseur verpflanzt die tschechische Festoper par excellence in eine spießige Tümelei. Kostümbildner Jorge Jara hat viel deutsches Nachkriegsfernsehen geschaut: Damen mit Hochfrisuren schwenken in Kittelschürzen oder hochgeschlossenen Kleidern Wisch­mobs.

Die Herren im Blaumann oder in grau-braunen Hochwasserhosen und Feinrippunterhemden stemmen Bierseidel. Das schaute zu Beginn alles noch ganz ver­gnüglich aus. Was hätte nicht alles daraus werden können?! Eine hochkomische Parodie auf den Mief der fünfziger Jahre, eine bitterböse Satire auf eine Spieß­bürgerlichkeit, wie sie der österreichische Zeichner Deix so drastisch zeigt.
Doch Stein Winge springt in Frankfurt zu kurz: Die Ironiesignale sind schwach. Seine «Verkaufte Braut» wird keine Karikatur des Spießertums, sondern bleibt tief im Mief stecken. Und so wird alles Klischee: Die Eltern Maries, der Titel­figur, sind vertrottelt. Ihr Geliebter Hans ist ein Beau mit Charme, ...

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Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Thomas Rothkegel

Vergriffen
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