There is no business like show business
Von der Londoner Wigmore Hall zum Burlington House braucht es kaum eine halbe Stunde gemütlichen Spaziergangs. Alljährlich beherbergt Letzteres die Sommerausstellung der Royal Academy of Arts, und das seit 247 Jahren. Die Show ist einzigartig in ihrer Mixtur aus Werken professioneller und dilettierender Künstler (12 000 Bewerbungen hat die in diesem Jahr von Michael Craig-Martin geführte Jury gesichtet, ein Zehntel davon schließlich zugelassen).
Die Verbindung von «Hohem» und «Trivialem», Avanciertem und Traditionellem sorgt jedes Jahr für hochgezogene Brauen unter Fachleuten und Kritikern, erfreut sich aber enormer Beliebtheit beim Publikum. Warum wir das hier erwähnen? Weil «Joyce & Tony – Live at Wigmore Hall» an dieses Konzept erinnert: Trouvaillen – etwa Haydns Solokantate «Arianna a Naxos» – neben leicht Verdaulichem aus den Küchen des Showbiz.
Man liebt Joyce DiDonato in London, ihre Maria Stuarda am Royal Opera House vor einem Jahr war ein Triumph, und die Schlange beim Kartenvorverkauf für dieses nun auf CD veröffentlichte Konzert im September 2014 ging angeblich um den ganzen Häuserblock.
Doch beim Anhören darf es auch Stirnrunzeln geben, nicht nur der Dramaturgie wegen, ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 49
von Gerhard Persché
Während des Finales des diesjährigen Belvedere Wettbewerbs, das nach 2013 zum zweiten Mal in Amsterdam ausgetragen wurde, dachten wir an Anselm Gerhards «Einspruch aus dem Elfenbeintrum» im Juli-Heft und seine Forderung nach expressivem, wenn nötig hässlichem Gesang. Freilich, was unter Donizetti und Verdi als hässlich galt, ginge heute vermutlich als schön...
I.
Ist er es? Sitzt er da wirklich wieder vor dem Weihenstephan? Dem Hotel nicht weit vom Bahnhof, in dem er, so erzählt man in Bayreuth, jedes Jahr zur Festspielzeit absteigt? Ja, er ist es wirklich. Ein wenig missmutig blinzelt René Kollo (77) in die Sonne. Diese Hitze! Den Rotwein hat er fast geleert, die Zigarre ist fast aufgeraucht. Nur noch eine Stunde bis...
Wie ein Meeresarm liegt er da, der Sankt-Lorenz-Strom, mehr als ein Kilometer sind es von Ufer zu Ufer. Ein erhabener Anblick. Und ein Gegenbild zu den monotonen Wald- und Agrarlandschaften, die der Highway von Montréal durchmisst. Erst auf dem Pont Pierre-Laporte wird uns so richtig bewusst, dass Québec am großen Wasser liegt: schon vor den Toren der Stadt ein...
