Strahlkraft aus Leidensdruck
Spricht man von Nordamerika, so meint man nicht selten fast reflexhaft die Vereinigten Staaten, denkt aber kaum an das flächenmäßig vergleichbare Kanada, das, anglophon und frankophon, zum Commonwealth gehört. Immer noch ziert die Queen die Geldscheine – und das Wort «Royal» manche Institution. Entsprechend sind die Beziehungen zwischen US-Amerikanern und Kanadiern zwar höflich und freundlich, nicht immer aber besonders herzlich.
So wundert es auch nicht, dass sogar unter den bedeutenden Musikern Kanadas ein etwas anderer Typus reüssierte als beim großen südlichen Nachbarn. Drei Beispiele: Der Bassbariton George London besaß für viele in der Verbindung von Stimm- und Ausdruckskraft und im Blick auf seine charismatische Expressivität auf der Bühne singulären Rang. Erst recht stand der Pianist Glenn Gould für den öffentlichkeitsscheuen Anti-Glamour-Star, ganz abgesehen von seiner Fixierung auf Bach und die Schönberg-Schule. Ebenso wenig entsprach der Tenor Jon Vickers dem gängigen Bild, gar Klischee des Star-Sängers, narzisstisch auf seine schöne, große Stimme und den Glanz seiner Spitzentöne konzentriert. Dabei hatte er in seiner puren tenoralen Force unter den Sängern nach 1960 ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 94
von Gerhard R. Koch
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