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Duisburg, Schostakowitsch: Lady Macbeth von Mzensk

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Diese Inszenierung ist ein Paradoxon: Sie aktualisiert, und zwar nachdrücklich – doch nicht, um die Handlung uns Zeitgenossen näher zu bringen und dadurch fass­licher zu machen. Ganz im Gegenteil: Es ist die erklärte Absicht des Regisseurs Dmitri Tcherniakov, die Titelfigur fremd, ihr Handeln unbegreiflich erscheinen zu lassen. Bei Schostakowitsch ist diese Katerina Ismailowa, bevor sie zur Ehebrecherin und Mörderin wird, zunächst einmal das Opfer einer repressiven, ständisch-kapitalistischen Gesellschaftsordnung.

Indem der Regisseur das Geschehen vom altrussischen Kaufmannshaus in einen neuzeitlichen Versandhandel verlegt, entfällt diese Voraussetzung: Im Zeitalter von Computer und Telekommunikation ließe sich selbst in der Provinz etwas gegen die bleierne Langeweile tun, und gegen die Demütigungen durch den Schwiegervater und das Desinteresse des Gatten hülfe notfalls eine Scheidung. Doch, so der Regisseur im Programmheft, die Ursachen des Geschehens seien «nicht außerhalb der Hauptgestalt, sondern tief in ihrem Inneren versteckt.» Für ihn ist Katerina die «ganz Andere», die wesensmäßig Fremde, eine kompromisslose «maximalistische» Person «jenseits der Zivilisation», die dem von ...

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Opernwelt Juli 2008
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Ingo Dorfmüller

Vergriffen
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