Thema verfehlt

Duisburg, Schostakowitsch: Lady Macbeth von Mzensk

Opernwelt - Logo

Diese Inszenierung ist ein Paradoxon: Sie aktualisiert, und zwar nachdrücklich – doch nicht, um die Handlung uns Zeitgenossen näher zu bringen und dadurch fass­licher zu machen. Ganz im Gegenteil: Es ist die erklärte Absicht des Regisseurs Dmitri Tcherniakov, die Titelfigur fremd, ihr Handeln unbegreiflich erscheinen zu lassen. Bei Schostakowitsch ist diese Katerina Ismailowa, bevor sie zur Ehebrecherin und Mörderin wird, zunächst einmal das Opfer einer repressiven, ständisch-kapitalistischen Gesellschaftsordnung.

Indem der Regisseur das Geschehen vom altrussischen Kaufmannshaus in einen neuzeitlichen Versandhandel verlegt, entfällt diese Voraussetzung: Im Zeitalter von Computer und Telekommunikation ließe sich selbst in der Provinz etwas gegen die bleierne Langeweile tun, und gegen die Demütigungen durch den Schwiegervater und das Desinteresse des Gatten hülfe notfalls eine Scheidung. Doch, so der Regisseur im Programmheft, die Ursachen des Geschehens seien «nicht außerhalb der Hauptgestalt, sondern tief in ihrem Inneren versteckt.» Für ihn ist Katerina die «ganz Andere», die wesensmäßig Fremde, eine kompromisslose «maximalistische» Person «jenseits der Zivilisation», die dem von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2008
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Ingo Dorfmüller

Vergriffen
Weitere Beiträge
Maestro-Theater

Im Rückblick könnte man die neue Leipziger «Manon Lescaut» als symphonisches Vorspiel zum vorläufigen Finale der Querelen um die Zukunft der Oper am Augus­tusplatz lesen. Schon vor der Premiere Anfang Mai hatte es vernehmlich geknirscht im Gebälk des äußerlich fein herausgeputzten Hauses: Riccardo Chailly, seit drei Jahren Generalmusikdirektor und...

Aus der Zeit gefallen

Die Welt ein Gedankengebäude. Ein Gespinst aus Ideen nur. Immer wieder fasziniert diese Idee, die Arthur Schopenhauer einst formulierte, als eine Möglichkeit, sich vor ihr als tatsächlichem Gegenstand zu schützen. Die Welt als Wille und Vorstellung, das ist mehr als nur ein Titel eines unzweifelhaft bedeutenden Werkes, das nicht zufällig eine der...

Liebe in Zeiten des Internets

Mal installieren sie einen Prada-Shop in der texanischen Wüste, mal verfrachten sie ein Sprungbrett aus einem Schwimmbad in einen Wohnraum: Die international gefeierten Künstler Michael Elm­green und Ingar Dragset lieben es, alte Strukturen zu sprengen und neue Zusammenhänge zu stiften. Nach diesem Prinzip ging das dänisch-norwegische Duo auch bei der...