Maestro-Theater
Im Rückblick könnte man die neue Leipziger «Manon Lescaut» als symphonisches Vorspiel zum vorläufigen Finale der Querelen um die Zukunft der Oper am Augustusplatz lesen. Schon vor der Premiere Anfang Mai hatte es vernehmlich geknirscht im Gebälk des äußerlich fein herausgeputzten Hauses: Riccardo Chailly, seit drei Jahren Generalmusikdirektor und Gewandhauskapellmeister, war not amused, als er von der Berufung Peter Konwitschnys zum Chefregisseur erfuhr.
Eingefädelt hatte den Coup der kommissarische Intendant und Geschäftsführende Direktor Alexander von Maravic – ohne den Musikdirektor vorab zu konsultieren. Als Chailly den Taktstock zu seiner (nach einem «Maskenball») gerade mal zweiten Neuproduktion in Leipzig erhob, war der Betriebsfrieden auf Leitungsebene also bereits empfindlich gestört. So sehr, dass der Italiener nach der letzten von acht Vorstellungen kurzerhand die Opern-Brocken hinwarf, um sich fortan ganz aufs Konzertieren mit dem Gewandhausorchester zu konzentrieren – auf Tournee und in dessen Stammdomizil gleich gegenüber.
So legte der im Groll geschiedene GMD bei Puccinis Bühnenerstling – gespielt wurde erstmals seit einhundertfünfzehn Jahren die Turiner Urfassung ...
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