Theater des Lebens
In Marco Štormans Stuttgarter Inszenierung von Wagners «Götterdämmerung» ist die Apokalypse bereits vorüber, wenn sich der Vorhang hebt. Die verdorrte, von Wotan selbst abgeholzte Weltesche schwebt wie ein Menetekel als Strandgut vom Schnürboden herab. Wenn sie am Ende wiederkehrt, begräbt sie den im Rheinrinnsal gierig nach dem Ring fischenden Hagen und erschlägt ihn. Hagen ist der Politiker, der den Untergang herbeiführt.
Mit diesem Bild setzt Štorman zwei Zeichen, die seine Deutung von Wagners Kosmos tragen: einmal die Selbstreferentialität von Kunst, sich nur im eigenen Medium erklären zu können; zum zweiten, dass es, anders als in den drei vorausgehenden, in der Welt der Götter spielenden Teilen der «Ring»-Tetralogie, die Menschen selbst sind, die ihr Schicksal gestalten.
Beides hat seinen Grund in der Dramaturgie der «Götterdämmerung», deren Entstehung nicht am Ende des Weltendramas, sondern, als Einzelstück geplant, an seinem Anfang stand. Mit Ausnahme der einleitenden Nornenszene und Brünnhildes Schlussgesang ist es kein Ideen-, sondern ein Intrigendrama – eine Grand Opéra Meyerbeer’schen Zuschnitts mit all ihren veralteten Formen wie Hagens Monolog, dem Mannenchor, dem ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Uwe Schweikert
Wenn es um weibliche Ausnahmezustände geht, ist Ausrine Stundyte derzeit erste Wahl: als Elektra, als halluzinierende Renata in Prokofjews «Feurigem Engel», neurotische Judith (in Romeo Castelluccis Deutung von «Herzog Blaubarts Burg« im vergangenen Salzburger Sommer) oder – zuletzt in Münchens erstem Opernhaus – als besessene Nonne in Pendereckis «Teufel von...
Frau Aristidou, wenn man die Fotos betrachtet, die es von Ihnen gibt, fällt auf, dass diese sehr unterschiedlich sind. Besitzen Sie mehrere Identitäten?
(lacht) Ich glaube, nicht. Es kommt darauf an, in welchem Augenblick die Fotos gemacht wurden, in welcher Stimmung ich gerade war. Aber eigentlich bin ich immer derselbe Mensch – wobei die Fotos, die vermutlich am...
Sie war, das lässt sich auch aus der historischen Perspektive kaum anders sagen, eine durch und durch außergewöhnliche Erscheinung – eine Persönlichkeit. Vom lieben Gott gleichermaßen mit Klugheit wie Schönheit und Raffinement im Umgang mit dem herrschenden (männlichen) Personal auf Erden ausgestattet, entwickelte sie sich zu einer der führenden Politikerinnen...
