Miki: AI-EN

Tokio

Opernwelt - Logo

Für die Liebe sterben – das darf man in der Oper ja fast immer wörtlich nehmen. In Minoru Mikis neuester, fürs und im New National Theatre in Tokio entstandenen Oper ist das nicht anders: «AI-EN» trägt den Liebestod bereits im Titel, Miki erzählt darin zusammen mit seiner Lib­rettistin Jakucho Setouchi die Geschichte einer geheimen Melodie – und, klar doch, einer großen Liebe, wie sie nur die Oper und das Märchen glaubhaft machen können: Weil sie glaubt, ihren Mann verloren zu haben, stirbt die junge Japanerin Sakurako aus Trauer.

Doch der Witwer findet seine Liebe in China wieder. Dort nämlich trifft er auf Sakurakos Zwillingsschwester, eine be­gnadete Pipa-Spielerin.
International ist der Japaner Miki bekannt geworden für seinen glücklichen Versuch, westlichen Orchesterklang mit östlicher Musiziertradition zu amalgamieren. Und wenn er nun in «AI-EN» das Hohelied auf die Pipa anstimmt, die japanische Laute, dann mag es auf der Bühne folkloristisch zugehen – im Orchestergraben nimmermehr: Naoto Otomo hat die tückische Partitur fest im Griff, alle vergnüglichen Überraschungen, alle hineinkomponierten Turbulenzen. Und Jing Yang schlägt Funken aus ihrer Pipa, zunächst im Orchester, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 55
von Clemens Prokop

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wie Barocktheater aussehen kann

Die Beschäftigung mit historischen Formen der Aufführungspraxis ist seit zweihundert Jahren Gegenstand zunächst der Theatergeschichtsschreibung und Theaterwissenschaft wie gleichzeitig ihrer musikalischen Pendants. Anders als ihren von Noten lebenden Schwestern fehlten der Theaterpraxis aber ein Gustav Leonhardt und Nikolaus Harnoncourt, die die Theorie allen...

Genutzte Chance

Seit 1987 der Zuschauerraum des Jenaer Stadttheaters abgerissen wurde und sich die damaligen Kulturfunktionäre der trügerischen Hoffnung auf einen Theaterneubau hingaben, muss Jenas Publikum auf Musiktheater in der eigenen Stadt weitgehend verzichten. Bruno Scharnberg, seit 2003 Intendant der Jenaer Philharmonie, plante bereits im ersten Jahr seines Wirkens die...

Nicht Heine, Nicht Freud: Wagner!

Auf den Tischen im Coburger Theater-Büffet stehen Glasvasen mit orangefarbenen Tul­pen. Und an jeder Blume baumelt ein gelbes Schiffchen aus Papier. Für das Haus im fränkischen Norden ist die Premiere des «Fliegenden Holländer» ein Großereignis – da gibt man sich Mühe. Die Firma Brose (Fahrzeugteile) unterstützt das Not leidende Theater beim Engagement der...