Editorial

Die von der Dienstleistungsgewerkschaft ve.rdi im Zuge der Auseinandersetzungen um die 40-Stunden-Woche und das 13. Monatsgehalt initiierten Streikmaßnahmen haben nicht nur öffentliche Versorgungsbetriebe wie Krankenhäuser oder die Müllabfuhr getroffen, sondern auch zahlreiche ­Theater. Von Hamburg bis Freiburg legten nach Angaben des Deutschen Bühnenvereins an fünfzehn Häusern zeitweilig oder dauerhaft Techniker, Beleuchter, Ankleider, kurzum: das Gros der nichtkünstlerischen Mitarbeiter die ­Arbeit nieder.

Den größten Schaden verursachte der Ausstand an den Staatstheatern in Stuttgart und München. Die Bayerische Staatsoper setzte auf Improvisation, um das Schlimmste, die Absage von Aufführungen, zu verhindern: Zweimal «Carmen» konzertant, der «Holländer» mit Notbeleuchtung, «Rheingold» und «Walküre» halbszenisch – da zogen es viele Besucher vor, ihre Karten zurückzugeben. In Stuttgart mussten wegen des Streiks zwei ausverkaufte Vorstellungen («Onegin»-Ballett, «Figaro») ganz abgesagt werden. Die Konsequenz für das Staatstheater: Einnahmeverluste in Höhe von insgesamt rund 80 000 Euro –  eine Summe, mit der zwei Technikerstellen finanziert werden könnten. Zudem wäre eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2006
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mozart: Zaïde

Der Terror-Chef rast: Die allzu schöne Überläuferin erwies sich als lauwarm. Nichts ist’s mit der Revolution, stattdessen spielen wieder mal die Gefühle verrückt. Da hilft nur die Hinrichtung. Liebe und Tod liegen nah beieinander, aber am Ende siegt nicht die Internationale, sondern – die Musik.
Natürlich siegt sie, denn Mozart hat sie geschrieben. Aus «Zaïde», dem...

Miki: AI-EN

Für die Liebe sterben – das darf man in der Oper ja fast immer wörtlich nehmen. In Minoru Mikis neuester, fürs und im New National Theatre in Tokio entstandenen Oper ist das nicht anders: «AI-EN» trägt den Liebestod bereits im Titel, Miki erzählt darin zusammen mit seiner Lib­rettistin Jakucho Setouchi die Geschichte einer geheimen Melodie – und, klar doch, einer...

Weill: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Trüb sieht er aus, der Mond über Alabama. So gar nicht mehr hoffnungsfroh wie noch zu Beginn, als die drei aus der Haft entwichenen Strafgefangenen in diese Ödnis kamen. Nun herrscht Fins­ternis in den Seelen derer von Mahagonny, und vor allem für einen von ihnen sieht es richtig düster aus: Auf dem elektrischen Stuhl schwebt über der geifernden Masse...