Theater der Angst und der Grausamkeit
Nicht auf das Märchenhafte des Stoffes ließ sich Konstanze Lauterbach ein in ihrer Bremer «Pelléas»-Inszenierung, beschwor auch kein jugendstilhaft-dekoratives Ambiente, sondern führte in teils ungemein aggressiver, dann aber auch wieder berührend poesievoller Symbolik dem Zuschauer menschliche Extremsituationen vor Augen. Es handele sich – so hat es Pierre Boulez einst formuliert – bei Debussys Oper nicht um ein Werk der «ängstlichen und farblosen Zurückhaltung», sondern «um ein Theater der Angst und der Grausamkeit, das als solches interpretiert werden müsse».
Genau das tut die Regisseurin, wenn sie die Menschen bloßstellt in ihren Gefühlen, sie leiden und sich gegenseitig wehtun lässt, brutal und ungeschützt.
Da ist die kreatürliche Angst der Mélisande (Sybille Specht mit kraftvoll-dunklem Sopran), die sie bei Golauds Anwesenheit in manisches Zittern verfallen lässt, während sie Pelléas gegenüber (Armin Kolarczyk singt ihn in untadeliger Diktion) frei und offen sich zu bewegen weiß. Da ist das Unverständnis dieses Golaud (mit vielen stimmlichen Nuancen: Loren Lang) für die zarten Schwingungen ihrer Seele, das in gewalttätigen Übergriffen kulminiert, etwa wenn er sie ...
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