The House of Joy
Gott fährt Motorrad. Aber er benutzt es, sich seiner erhöhten (Sonder-)Stellung gewiss, nicht nur auf den dafür vorgesehenen Pfaden. Um die schöne Semele zu rauben, nimmt er ebenfalls den Zorn des Volkes in Kauf, das sich in einer schmucken Kirche zum, genau: Gottes-Dienst versammelt hat (Bühne: Tracy Grand Lord). Jupiter höchstselbst, denn von ihm geht hier die Rede, ficht das nicht an. Er hat sich mehr oder minder «unsterblich» in die thebanische Königstochter verliebt und raubt sie nun mitten aus der heiligen Versammlung, um sie ganz für sich allein zu haben.
Ein letzter fulminanter (oder sollte man sagen: lüsterner?) Dreher am Gaspedal, und schon braust das Paar in Windeseile aus der Kirche der Erstaunten hinaus ins flotte Leben.
Es ist zugegeben eine kecke, ja kühne Idee, das mythische, von Ovid im dritten Buch seiner «Metamorphosen» eine Spur vermenschlichte Sujet auf diese radikal rustikale Art und Weise zu deuten. Doch sie funktioniert, weil Thomas de Mallet Burgess und Jacqueline Coats für ihre Inszenierung von Händels 1744 im Londoner King’s Theatre am Haymarket herausgekommenem Oratorium «Semele» die Holy Trinity Cathedral zu Auckland in ein leibhaftiges House of Joy ve ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 31
von Jan Verheyen
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Tränen gelacht zuletzt bei Tobias Kratzers «Götterdämmerung», als eine Norn und später Waltraute als meine Doppelgängerinnen auftraten.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
Ich würde kein neues Haus bauen, vielmehr schauen, wie man die vielen, die es schon gibt, für die Zukunft erhalten und verändern kann. Wie kann man...
Am Jahrestag der russischen Invasion in die Ukraine eine Oper, die vor dem Hintergrund der Eroberungsfeldzüge Ivans des Schrecklichen spielt: Georges Bizets «Ivan IV» aus der ersten Hälfte der 1860er-Jahre war ein lange Zeit glückloses Werk. Aufführungspläne scheiterten, der fünfte Akt blieb unfertig. Der bedeutende Bizet-Biograf Winton Dean stampfte das Libretto...
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Ich wollte zunächst Lehrer werden. Aber nicht für Radschlagen. Das mache ich einfach gern, manchmal auch auf der Opernbühne. Regisseure mögen es ja, wenn jemand akrobatische Dinge beherrscht. In Humperdincks «Königskindern»...
