Da ist keinerlei Hoffnung
Zerborsten, ausgehöhlt wie eine Ruinenlandschaft klingt das Orchestervorspiel in Søren Nils Eichbergs «Oryx and Crake». Außer vereinzelten Glockenschlägen sind alle Klangfarben ausradiert. Erlahmt tönen die Instrumente in tief-rauem Spektrum. Vor diesem düsteren Tableau, das Dirigent Albert Horne mit dem Hessischen Staatsorchester präzise erschließt, lassen Regisseurin Daniela Kerck und Videokünstlerin Astrid Steiner auf transparenten Leinwänden weiße Blumen und Pilze aus dem Boden schießen.
Eine bizarre Vegetation mit der unwirklichen Leuchtkraft einer Computertomografie, neongrüne Kaninchen und blutrote Vögel halten sich darin versteckt.
Eichbergs vom Hessischen Staatstheater Wiesbaden in Auftrag gegebene Oper «Oryx und Crake» nach dem gleichnamigen, 2003 erschienenen Roman von Margaret Atwood spielt dort in einer postapokalyptischen Welt. Snowman ist der vermeintlich letzte Überlebende einer tödlichen Pandemie, die in Wahrheit ein gezielter Anschlag war, um die Zerstörung des Planeten zu beenden. Genmanipulierte Wesen ersetzen den Menschen. Auf der Suche nach Medikamenten und Waffen durchquert Snowman, der früher Jimmy hieß, seine entvölkerte Heimat. Dabei überfallen ihn ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2023
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Silvia Adler
Die sanften Akkorde verbreiten Geborgenheit. Die helle, knabenhafte Stimme von Roman Melish berührt in ihrer Zerbrechlichkeit. «Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden», singt der ukrainische Countertenor. «Hast du mein Herz zu warmer Lieb’ entzunden, hast mich in eine bessre Welt entrückt!» Für diesen besonderen Liederabend Ende November 2022 mit dem von Franz...
Nishni Nowgorod liegt am Zusammenfluss von Oka und Wolga. Im 19. Jahrhundert nannte man sie sogar «die dritte Hauptstadt Russlands». Vor kurzem feierte die Millionenmetropole ihr 800-jähriges Jubiläum, und aus diesem Anlass wurde vieles restauriert. Weniger freundlich behandelte man seitens der politischen Elite bislang die Oper. Nun jedoch hat der neue...
Zwei Wochen nachdem Peter Konwitschny in Linz Verdis wegen ihrer angeblich krausen Handlung eher selten gespielte Oper «La forza del destino» auf bare 90 Minuten skelettiert hatte (OW 3/2023), präsentierte Lorenzo Fioroni in Saarbrücken das Melodramma in erschlagender Vollständigkeit. Gespielt wurde die Mailänder Zweitfassung aus dem Jahr 1869. Es war ein langer,...
