Semper reformanda
Sein Koch verstehe mindestens so viel vom Kontrapunkt wie Gluck, soll Georg Friedrich Händel gespottet haben, als der böhmische Komponist in London auftauchte und der italienischen Oper mit seinem Pasticcio «La caduta de’ giganti» im King’s Theatre Anfang 1746 neues Leben einzuhauchen versuchte. Nun war Händels Koch im Hauptberuf eigentlich Sänger, was die lästerliche Bemerkung ein wenig abmildert. Die Wertschätzung, die Gluck für den Rest seines Lebens Händel entgegenbrachte, dürfte dennoch kaum auf Gegenseitigkeit beruht haben.
Seine Musik sei erzvandalisch und unerträglich – «arcivandalica insopportabile» – zeterte Pietro Metatsasio 1748 in einem vertraulichen Brief, Gluck selbst habe «wundersames, aber irres Feuer» 1751 in einem anderen. Gegenüber seinen Freunden nahm Metastasio kein Blatt vor den Mund; ansonsten bediente er sich einer diplomatischeren Ausdrucksweise: Gegenüber einem römischen Bankier urteilte er 1756 über Glucks Musik ähnlich abschätzig wie über das römische Publikum: «Er hat eine besondere Lebendigkeit im Komponieren; und nach dem, was mir über den herrschenden Geschmack in Rom berichtet wird, gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass er dieses Publikum ...
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Opernwelt Jahrbuch 2014
Rubrik: Christoph Willibald Gluck, Seite 86
von Silke Leopold
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