Tanz der Untoten
Als Parabel für moralische und psychische Verwahrlosung durch Machtgier ist «Macbeth» von zeitloser Aktualität. Angesichts der dramatischen Weltlage scheint Verdis Humanismus brisanter denn je. Allerdings gibt es in dieser Oper einige steinharte Regie-Nüsse zu knacken: Was macht man mit den Hexen und ihren chorischen Weissagungen? Wie bebildert man Macbeths Visionen plausibel, wie erklärt sich das schnelle Abdriften der Lady in den Wahnsinn?
Balázs Kovalik verlegt das Geschehen aus dem Mittelalter in eine nicht näher bestimmte Gegenwart.
Hermann Feuchter hat die Bühne durch eine Diagonale verengt, hinten ist unter Scheinwerfern die Brandmauer zu sehen. Die Diagonale ist aber nicht nur eine trist geriffelte schwarze Wand, sondern entpuppt sich rasch als raffinierte Konstruktion, vergleichbar mit dem Magazin einer gigantischen Bibliothek: Je nach Bedarf schieben sich einzelne Bühnenbild-Module heraus und verschwinden (fast) geräuschlos wieder. Zu Beginn, im Hexenbild, fährt eine Art Bordell mit Varieté-Angebot heraus, dann das sparsam möblierte Schlafzimmer des Mörderpaars mit Panzer auf dem Kamin und naiv gemalter Schottland-Idylle an der Wand. Zur Bankettszene werden gleich drei ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Regine Müller
Die Visitenkarte noch vor der offiziellen Amtseinführung – so stellt sich der erste Mitschnitt des London Symphony Orchestra mit seinem künftigen Chef Simon Rattle dar, der nun beim orchestereigenen Label veröffentlicht worden ist. Thema ist Robert Schumanns genial-befremdliches Oratorium «Das Paradies und die Peri», in dem einige Dirigenten sein bestes Werk für...
Hieße der Komponist nicht Verdi – niemand würde dieses Stück spielen. Weder die 1843 für Mailand als Remake des «Nabucco»-Sensationserfolgs geschriebenen «I Lombardi alla prima crociata» noch die 1847 für Paris umfrisierte Version «Jérusalem». Die für die Neufassung verantwortlichen Librettisten übernahmen das Kreuzzugs-Ambiente, verwandelten aber die Lombarden in...
Owen Wingrave», die vorletzte Oper des bekennenden Pazifisten Benjamin Britten nach einer Erzählung von Henry James, entstand 1970 – in der Endphase des Vietnam-Krieges – als Auftragswerk für das britische Fernsehen. Britten und seine Librettistin Myfanwy Piper nutzten mit schnellen Wechseln und Simultanszenen virtuos die Möglichkeiten der filmischen Dramaturgie....
