Schuld und Ranküne

Verdi: Stiffelio Frankfurt/M. / Oper

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Wo auch immer in den letzten Jahren der einst von der Zensur behinderte, von Verdi verschiedentlich umgearbeitete, vom Opernbetrieb lange vergessene «Stiffelio» auftauchte, erregte er Erstaunen und Bewunderung. Die 1850 in Triest uraufgeführte Oper brilliert nicht mit exotischen oder spektakulären Schauplätzen. Auch nicht, wie «Macbeth», mit einem berühmten Sujet. Vielmehr spielt sie im abseitigen Milieu einer (als deutsch markierten) evangelikalen Freikirche oder Sekte eine psychologische Versuchsanordnung durch.

Der Zusammenprall von Christentum und Sex mobilisiert schärfste Gefühlserregungen: Eifersucht, Wut, Rachedurst, Reue. Melodische «Reißer» wie «Rigoletto», «Il trovatore» oder «La traviata» enthält die Partitur vielleicht nicht, wohl aber eine Fülle feinschattierter oder großbogig angelegter Arien und Szenen.

Atemraubende Höhepunkte bringt namentlich der zweite Akt mit einem glühenden Vokalquartett, bei dessen Peripetie der Chor einsetzt und eine «transzendierende» Klangschicht hinzufügt (denselben Kunstgriff setzte Verdi dann auch im «Trovatore» ein). Hier schickt sich der unter Eifersuchtsqualen taumelnde Pastor Stiffelio gerade an, seinen Nebenbuhler Raffaele ...

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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Hans-Klaus Jungheinrich

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