Quadratur des Kreises

Alban Bergs «Lulu» an Covent Garden, dirigiert von Antonio Pappano, inszeniert von Christof Loy

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Alban Bergs «Lulu» hat Konjunktur. Die vier Premieren kurz hintereinander in Basel (Calixto Bieito), Lyon (Peter Stein), Wiesbaden ­(Konstanze Lauterbach) und nun an Covent Garden (Christof Loy) bestätigten in ihrer szenischen Unterschiedlichkeit die Bemerkung von Karl Kraus, dass ins wahre Kunstwerk, in dem ein Dichter seine Welt gestaltet habe, alle alles hineintun könnten.

Welche Relevanz hat heute ein Stück, in dem jemand fürs Ausleben seines sexuellen Triebs bestraft wird? Vielleicht jene, die der Dramatiker Edward Bond in der Einführung zu seiner Neuübersetzung der Urfassung von Frank Wedekinds «Lulu»-Drama konstatiert: Die Monstertragödie sei das erste moderne Stück, Capitalism’s prophetic history; sie zeige Sex nicht als Aggressor, sondern als Opfer des Konsumismus.
Kein Zufall, dass sich Richard Jones in seiner Inszenierung 2002 an der English National Opera Madonna als Bezugsperson aussuchte: Lisa Saffer, die damalige Lulu, schien deutlich nach dem Pop-Star modelliert. Freilich hatte Frank Wedekind bei der Feststellung, seine Lulu wäre lächerlich, wenn sie wie ein wildes Tier gespielt würde und nicht wie eine Madonna, ein ganz anderes Bild vor Augen. Nämlich das der ...

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Opernwelt Juli 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard Persché

Vergriffen
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