Tannhäuser vor der Todeszelle
Einen «Tannhäuser» komplett aus dem eigenen Ensemble zu besetzen, schafft derzeit kaum ein Opernhaus. Für das Theater Hagen ist es kein Problem. Zwar singt die Sopranistin Dagmar Hesse gleich beide große Frauenrollen, aber dass Venus und heilige Elisabeth zwei Seiten der Weiblichkeit darstellen, ist ja ein bereits erprobtes und schlüssiges Regiekonzept. Zumal Dagmar Hesse, die in Hagen schon eine grandiose Senta gegeben hat, die beiden Partien stimmlich wie darstellerisch klar profiliert.
Mit sinnlichen Mezzotönen und erotischer Wildheit ist sie eine Venus, der kein Heteromann leicht entfliehen könnte. Als Elisabeth zeigt sie eine gehbehinderte Frau im grauen Kleid, die alle Sehnsuchtsenergie in leuchtend-innerliche Klangschönheit fließen lässt.
Frank Dolphin Wong leiht Wolfram von Eschenbach seinen lyrischen, warmen Bariton, während Dario Walendowski den Tannhäuser mit sicherer Unverwüstlichkeit, wenn auch mit etwas gewöhnungsbedürftig rauer Stimmfärbung singt. Alle kleineren Rollen sind gut besetzt, und Hagens Generalmusikdirektor Antony Hermus dirigiert Wagner voller Schattierungen, rhythmisch pointiert, aber auch mit großem Atem, unterstützt von einem absolut ...
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