Tannhäuser vor der Todeszelle
Einen «Tannhäuser» komplett aus dem eigenen Ensemble zu besetzen, schafft derzeit kaum ein Opernhaus. Für das Theater Hagen ist es kein Problem. Zwar singt die Sopranistin Dagmar Hesse gleich beide große Frauenrollen, aber dass Venus und heilige Elisabeth zwei Seiten der Weiblichkeit darstellen, ist ja ein bereits erprobtes und schlüssiges Regiekonzept. Zumal Dagmar Hesse, die in Hagen schon eine grandiose Senta gegeben hat, die beiden Partien stimmlich wie darstellerisch klar profiliert.
Mit sinnlichen Mezzotönen und erotischer Wildheit ist sie eine Venus, der kein Heteromann leicht entfliehen könnte. Als Elisabeth zeigt sie eine gehbehinderte Frau im grauen Kleid, die alle Sehnsuchtsenergie in leuchtend-innerliche Klangschönheit fließen lässt.
Frank Dolphin Wong leiht Wolfram von Eschenbach seinen lyrischen, warmen Bariton, während Dario Walendowski den Tannhäuser mit sicherer Unverwüstlichkeit, wenn auch mit etwas gewöhnungsbedürftig rauer Stimmfärbung singt. Alle kleineren Rollen sind gut besetzt, und Hagens Generalmusikdirektor Antony Hermus dirigiert Wagner voller Schattierungen, rhythmisch pointiert, aber auch mit großem Atem, unterstützt von einem absolut ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Elf Jahre hat Intendant Jean-Louis Grinda erfolgreich am Ruf der Oper Lüttich als gediegenes, musikalische Akzente setzendes Haus gearbeitet. Nun wechselt er nach Monte Carlo. Szenisch gilt die «Opéra Royal de Wallonie» als wenig innovativ – Reiseunternehmen im Umkreis werben bisweilen offen damit, dass man in Lüttich Oper noch «wie früher» erleben könne.
In der...
Wo des Allmächtigen Einfluss beständig spürbar, wo der Mensch selbst samt seiner Ideale an diesen gekoppelt ist wie ein Schaf an seinen (guten?) Hirten, wo also gleichsam göttliches Licht gen Erden strahlt, damit es hell werde in den Seelen der Menschen – da wirkt ein mit winzigen Lichtschlitzen ausgestatteter Kirchenraum, der zugleich ein ausfluchtsloser Ort ist,...
Frau Dessay, Sie scheinen sich Ihre Bühnenrollen überzuziehen wie eine zweite Haut. Wie sehr identifizieren Sie sich mit ihnen?
Auf der Bühne völlig. Aber sonst sind Bühne und Realität für mich zwei sehr unterschiedliche Welten.
Sie nehmen die Figur also nicht mit nach Hause?
Nein, überhaupt nicht. Im Moment, wo ich von der Bühne herunterkomme, bin ich wieder ganz...
