Prinzip Hoffnung
Zwar reicht die Autobahn endlich ganz bis zur drittgrößten, 180 000 Einwohner zählenden Stadt Ungarns, doch empfängt Miskolc seine Gäste zunächst mit einem Dschungel realsozialistischer Plattenbauten. Schlagartig wird angesichts dieser Kulisse klar, dass zahlungskräftiges Publikum hier nur Mangelware sein kann. Vor sieben Jahren haben sich die damaligen Leiter des altehrwürdigen Nationaltheaters Miskolc ein Sommerfestival erträumt – junge, ehrgeizige (wenig realistisch denkende) Leute.
Die damals von Arbeitslosigkeit besonders hart getroffene Stadt griff die blauäugige Idee mit der Hoffnung auf einen Ausweg aus der Depression auf, und siehe da: Das Festival veränderte das Stadtbild, die Belebung einer als «elitär» verrufenen Kunstgattung ging einher mit der wirtschaftlich-baulichen Sanierung einer maroden Industrieregion.
Dabei sind die Voraussetzungen alles andere als ideal. Zwar konnte anfangs als Künstlerische Leiterin von «Bartók +…» Ungarns Sopranprimadonna Eva Marton gewonnen werden, doch muss der seit dem Jahr 2003 die Geschäfte führende Tamás Bátor nach wie vor mit ernsthaften Schwierigkeiten kämpfen. Für Opernaufführungen ist das schmucke, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als Theodor W. Adorno 1967 bei einem Kongress in Graz öffentlich über Musikkritik nachdachte, hatte er leicht reden. Die Jahre, in denen er regelmäßig Musikkritiken geschrieben hatte, lagen lange zurück, und von den Bedürfnissen des Marktes hielt er sowieso nichts. Adorno sprach also Idealtypisches. Gerade deswegen hatte er mit (fast) jedem Satz Recht. Er betonte...
Nach der Maxime Senecas, dass «wahre Freude eine ernste Sache» ist, hat Ulrich Schreiber gelebt und gearbeitet. Er war nicht ganz unschuldig daran, dass ich mein Berufsleben bei der Kölner Electrola begann. Dort habe ich ihn als Theater- und vor allem als Schallplatten-Kritiker der «HiFi-Stereophonie» erlebt, von dem nichts weniger zu erwarten war als...
Die Erfurter Neuinszenierung von Verdis «La traviata» – kurzfristig für einen ursprünglich mit Johann Kresnik geplanten «Maskenball» ins Programm geschoben – war spektakulär wegen des Deutschland- und Rollendebüts der jungen lettischen Sopranistin Marina Rebeka, die mit erstaunlicher musikalischer wie szenischer Selbstsicherheit die Titelpartie übernahm. Rebeka...
