Talentschmiede
Die präpotenten römischen Besatzer tragen Brustpanzer aus Plastik. Vittoria Yeo, Oberpriesterin der naturverbunden matriarchalischen Gallier, darf als Norma zu ihrer Signet-Arie «Casta Diva» eine Mondsichel in Händen halten. Die in edlen Tableaux erstarrten Damen und Herren des überwältigend eloquenten Chores behaupten die Ursprünglichkeit ihrer den Eroberern trotzenden Kultur qua Sandalenfilm-Historismus. Cristina Muti inszeniert Bellinis «Norma» aus dem Opernbilderbuch in Omas Schrank.
Im intimen Rahmen des schnuckeligen Logentheaters der Dante-Stadt, das denn auch den Namen «Teatro Alighieri» trägt, wirken diese Bilder freilich gar nicht angestaubt, sondern so stimmig wie liebevoll – und demütig.
Riccardo Mutis Gattin, die als Präsidentin des Ravenna Festivals im Herbstableger der sommerlichen Festspiele zur Operntrilogie an drei Folgetagen lädt, lebt ihr Selbstverständnis, dass Regie der Musik und dem Libretto zu dienen habe und nicht den Flausen von egomanen Interpreten, konsequent aus. Ihr geht es darum, junge Sänger im besten, wenn auch gern etwas mythendunklen Licht erscheinen zu lassen. Denn ihre vornehmeste Aufgabe versieht Signora Cristina als Talentscout. In ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Peter Krause
Die Sopranistin Edith Mathis war in den 1970er- und 80er-Jahren als Mozart-Interpretin, aber auch als Oratoriensängerin in aller Welt gefragt und an vielen Operneinspielungen beteiligt. Dennoch ist es um ihren Nachruhm schlecht bestellt. Ihre großen Mozart-Partien hat sie mehrfach aufgenommen, war überdies an der Entdeckung seiner frühen Bühnenwerke wie an der...
Achtung: Spoiler-Alarm. So heißt es ja neuerdings, wenn man etwas verrät, was der Leser vielleicht (noch) gar nicht wissen will. Aber Gastregisseur Vasily Barkhatov hat vorab im Programmheft preisgegeben, was seine «Tosca» von anderen unterscheidet: Der Täter ist hier auch Opfer. Und opfert sich bewusst – durch die Tat einer anderen. Verwirrt?
Denkfaulere...
Für 16 Musiker des Bonner Beethoven Orchesters schien es eine gewöhnliche Dienstreise zu werden, als sie im April zusammen mit ihrem Chef, Generalmusikdirektor Dirk Kaftan, in die kolumbianische Stadt Medellín flogen. Doch es wurde eine Reise tief in die Vergangenheit und Gegenwart einer Metropole, die von extremer Gewalt heimgesucht wird, zu den gefährlichsten...
