Talentschmiede, Beziehungsbörse, Minenfeld
Sieben Jahre hat sie gedauert und Unsummen gekostet. Nun ist die Rekonstruktion des Bolschoi Theaters abgeschlossen, am 28. Oktober wird die Wiedereröffnung gefeiert (Arte überträgt den Abend live).
Wenn auf der Prunkbühne dann Stars wie Plácido Domingo, Natalie Dessay und Dmitri Hvorostovsky, von Regisseur Dmitri Tscherniakov in Szene gesetzt, Glanznummern aus dem russischen Repertoire vortragen, und das Ballett, von Yuri Grigorovich, Sergei Filin und Pierre Lacotte choreografisch präpariert, zum Schautanz für die Kreml-Elite und rund 1700 geladene Gäste aufläuft, dürfte der Jubel alle Skandale übertönen, die Moskaus Prestigeobjekt Nummer eins immer wieder erschütterten.
Zum Beispiel hatte man lange versäumt, das marode Fundament zu erneuern – bis das durch Stahlpfeiler provisorisch abgestützte Haus 2008 kurz vor dem Einsturz stand. Erst als sich der mächtige (vor einem Jahr freilich geschasste) Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow und der (unlängst ebenfalls entmachtete) Staatspräsident Dmitri Medwedew einmischten, kamen die Arbeiten zügig voran. Rund 3500 Menschen seien zuletzt auf der Baustelle beschäftigt gewesen, behauptet der Sprecher der als Generalunternehmer auftretenden ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Albrecht Thiemann
Man traut seinen Ohren nicht. Als hätte man nicht schon immer die selbstbewusste Kraft und radikale Originalität von Schostakowitschs Gogol-Adaption «Die Nase» (Leningrad/St. Petersburg, 1930) geschätzt, nicht schon immer registriert, um wie viel «moderner» sie ist als vieles andere, das seither seine Avantgarde-Kanten eingebüßt hat. Was Ingo Metzmacher da mit dem...
Robert Wilsons Anhänger beteuern gern, dass der Regisseur in den Opern, die er inszeniere, Tiefenschichten freilege und aktuelle Themen entdecke. Man könnte aber auch sagen, dass der Texaner in seinen Bildern alles bis zum Gefrierpunkt herunterkühlt in seinem Streben nach ritueller Ungerührtheit, wie sie der griechischen Tragödie eigen war – und der Liturgie der...
Der Herr möge ihn, so klagte Fritz Kortner, vor Regisseuren mit Einfällen verschonen. Bei Mozarts «Don Giovanni», der ersten Premiere der neuen Spielzeit an der Hamburgischen Staatsoper, hat Doris Dörrie das Publikum mit Einfällen – gewiss mehr als mille e tre – nicht verschont und dazu mit pseudo-tiefsinnigen Überlegungen konfrontiert, die letztlich uralt sind:...
