Tiefgefroren, aufgetaut
Robert Wilsons Anhänger beteuern gern, dass der Regisseur in den Opern, die er inszeniere, Tiefenschichten freilege und aktuelle Themen entdecke. Man könnte aber auch sagen, dass der Texaner in seinen Bildern alles bis zum Gefrierpunkt herunterkühlt in seinem Streben nach ritueller Ungerührtheit, wie sie der griechischen Tragödie eigen war – und der Liturgie der orthodoxen Ostkirchen heute noch ist. Fraglos noble Vorbilder, wie auch das japanische Nô-Theater oder der indische Kathak-Tanz – Genres, in denen Stil- und Formaspekte im Vordergrund stehen.
Ob Wilson «Parsifal» auf die Bühne bringt oder «Aida», Glucks «Orfeo» oder dessen von Monteverdi geschaffenen Vorläufer: Ein Wilson gleicht dem anderen, so wie eine Messe der anderen gleicht, sieht man von lokalen Spezifika wie der Sprache des gesungenen Textes oder den Farben der ihn begleitenden Musik ab.
Für diese Uniformität ist auch Wilsons aktuelle Inszenierung von «Il ritorno d’Ulisse in patria» ein Beispiel, Mittelstück einer Monteverdi/Wilson-Trilogie, die die Scala zwischen 2009 und 2013 angesetzt hat – weder Re- noch Dekonstruktion des Klassischen, vielmehr dessen Einbalsamierung, als werde es in einem noblen ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Carlo Vitali
Jubilare
Geboren wurde Sena Jurinac am 26. Oktober 1921 im bosnischen Travnik. Sie studierte am Konservatorium von Zagreb bei Mila Kostrencic Gesang und debütierte 1942 am Nationaltheater von Zagreb in Puccinis «La Bohème» als Mimì, bevor sie kurz darauf von Karl Böhm an die Wiener Staatsoper engagiert wurde, wo sie 1951 zur Kammersängerin ernannt wurde und deren...
Am 18. Februar 2012 wird es zehn Jahre her sein, dass sich auf der Bühne der Met eine «Audrey Hepburn mit Stimme» vorstellte: die damals 31-jährige Anna Netrebko in der Rolle der Natascha in Sergej Prokofjews «Krieg und Frieden». Zur Vorfeier dieses «Jubiläums» präsentiert sich die schöne Russin, inzwischen unter den Berühmten die Berühmteste, mit einem Album «Live...
Für medientaugliche Themen und lukrative Nischen im Kulturbetrieb hatte der Autor und Regisseur Michael Sturminger schon immer eine gute Nase. Vor fünf Jahren zum Beispiel, als ganz Österreich sich zum 250. Geburtstag des Wolferl aus Salzburg im Mozart-Rausch befand, schrieb er das Libretto zu einer Oper mit dem schönen Titel «I hate Mozart» (Musik: Bernhard Lang)....
