Kreisch, seufz, jauchz, peng!
Man traut seinen Ohren nicht. Als hätte man nicht schon immer die selbstbewusste Kraft und radikale Originalität von Schostakowitschs Gogol-Adaption «Die Nase» (Leningrad/St. Petersburg, 1930) geschätzt, nicht schon immer registriert, um wie viel «moderner» sie ist als vieles andere, das seither seine Avantgarde-Kanten eingebüßt hat. Was Ingo Metzmacher da mit dem erneut exzellenten Zürcher Opernorchester zuschliff, hat auch für uns Heutige noch genug Aufsässigkeit, Mutwillen, Ätzendes. Damals muss es tollkühn gewirkt haben.
Diese Musik keift, kräht, kiekst und kobolzt. Sie hüpft, plärrt, flitzt und jauchzt. Sie schnattert, überschreit sich, tobt und faucht. Sie gellt, galoppiert, walzt und gestikuliert. Sie hetzt sich ab, quietscht, schnarcht und räuspert sich. Aber die Musik zu der beinahe tragischen, tief pessimistischen Burleske trauert auch. Sie jammert und flennt mit dem malträtierten Helden der ersten Oper des gerade 22-jährigen Komponisten. Und wir schmunzeln immer noch über ihren grotesken Witz, wenn eine freche Polka über Stock und Stein rumpelt, ein keck-komischer Galopp den Flirt mit der Banalität wagt und ohne Pause in die fromme Sphäre des russisch-orthodoxen ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Heinz W. Koch
1949 schrieb Frank Martin im Auftrag des niederländischen Kammerchors «Fünf Gesänge des Ariel». Doch damit nicht genug. Martin plante ein Musiktheaterwerk zu Shakespeares «Der Sturm». Nicht irgendeine Oper, sondern eine ganz neue Form. «Man könnte sich sehr gut ein Stück des Sprechtheaters vorstellen», so Martin, «in dem die Musik etwas ganz anderes wäre als...
Als er sich kürzlich nach der Premiere von Schoecks «Penthesilea» auf der Bühne der Frankfurter Oper blicken ließ, gab es kein einziges Buh. Hans Neuenfels verbeugte sich – und wurde gefeiert. Wie sich die Zeiten ändern. In Frankfurt tobten einst seine härtesten Opernstürme, in der Ära von Michael Gielen und vorher schon, als er eingeladen wurde von Christoph von...
In Deutschland kennt man Raffaello de Banfield, wenn überhaupt, nur aus Künstlerbiografien als Freund bedeutender Künstler, darunter Herbert von Karajan und Maria Callas. Er war daneben aber ein fruchtbarer und in vielen Genres wirkender Komponist, auch ein erfolgreicher Musikmanager, der von 1972 bis 1996 das Teatro Giuseppe Verdi in Triest leitete. Von 1978 bis...
