Parcours der Plattitüden
Der Herr möge ihn, so klagte Fritz Kortner, vor Regisseuren mit Einfällen verschonen. Bei Mozarts «Don Giovanni», der ersten Premiere der neuen Spielzeit an der Hamburgischen Staatsoper, hat Doris Dörrie das Publikum mit Einfällen – gewiss mehr als mille e tre – nicht verschont und dazu mit pseudo-tiefsinnigen Überlegungen konfrontiert, die letztlich uralt sind: dass Giovanni ein «blinder Fleck» sei, ein «im Grunde genommen ziemlich langweiliger Kerl». Im Libretto wie in der Musik gebe es nichts, was darauf hindeute, dass dieser Giovanni mehr sein könnte als eine Katastrophe.
Schon bevor sie nach der Aufführung mit trotziger Lach-den-Protest-weg-Pose in ein Kurzgewitter von Buh-Rufen trat, hatte Simone Young zu Beginn des zweiten Aktes lautstarkes Missfallen über sich ergehen lassen müssen. Es galt zum einen der Intendantin, die mit der Wahl ihrer Regisseure bislang wenig Fortüne zeigte, zum anderen aber auch der Dirigentin an der Spitze eines spröde, dynamisch grob musizierenden Orchesters und eines wenig homogenen Ensembles.
Wenn sich nach dem lärmig hingeworfenen d-Moll-Akkord der Hörner, Trompeten, Pauke und schrillen Flöten der Vorhang öffnet, wandert unter dunkel-dräuendem ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Kesting
Für medientaugliche Themen und lukrative Nischen im Kulturbetrieb hatte der Autor und Regisseur Michael Sturminger schon immer eine gute Nase. Vor fünf Jahren zum Beispiel, als ganz Österreich sich zum 250. Geburtstag des Wolferl aus Salzburg im Mozart-Rausch befand, schrieb er das Libretto zu einer Oper mit dem schönen Titel «I hate Mozart» (Musik: Bernhard Lang)....
Er wurde ein echter amerikanischer Held: Rick Rescorla, die Hauptfigur der neuen Oper von Christopher Theofanidis und der Librettistin Donna DiNovelli. Geboren und aufgewachsen im englischen Cornwall kämpfte er zunächst als Söldner in Rhodesien, bevor er sich bei der US-Armee als Freiwilliger meldete und im Vietnamkrieg durch Tapferkeit auszeichnete. Seine größte...
Herr Mehta, Ihrem Namen nach entstammen Sie einer Familie, die von den Musen geküsst ist. Konnten Sie überhaupt etwas anderes werden als Künstler?
Zubin Mehta, der Cousin meines Vaters, sollte ursprünglich Arzt werden. Dann ist er Musiker geworden. Bei mir war es so, dass ich mir nie vorstellen konnte, etwas zu tun, das nichts mit Musik zu tun hatte. Ich komme aus...
