Die Hoffnung stirbt zuletzt
Es ist eine makabre, für empathische Zuschauer schwer erträgliche Situation. Und doch besitzt sie musiktheatrale Energie, wie sie nur selten aus einer historischen Handlung kommt: In den Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Krieg waren Betäubungsmittel verboten, wenn die Patienten nicht bei den Operationen starben, so an der primitiven Anästhesie. Doktor Eisenbart, kenntnisreich als Wanderchirurg, ein pfiffiger Showman und nie ohne Gauklertruppe unterwegs, ließ seine Leute laute Musik spielen, um die Schmerzensschreie seiner Patienten zu übertönen.
Aus der Medizin-, aber auch aus der Kulturgeschichte Deutschlands ist die schillernde Gestalt nicht wegzudenken. Das Spottlied «Ich bin der Doktor Eisenbart» ist nur eine Facette davon. Von der Oberpfalz bis Ostfriesland, von Hessen bis Polen bot er seine Dienste an, die, entgegen dem Lied, der Seriosität nie entbehrten. Das am häufigsten frequentierte Gebiet war Thüringen, denn dort musste jeder vorbei, der quer durch Europa reiste. Wenn das Theater Gera nun die deutsche Erstaufführung der Oper «Scharlatan» von Pavel Haas herausbrachte, feierte es auch Eisenbarts Verwurzelung in der ostthüringischen Landschaft.
Dass sich als Erster ein ...
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