Versunkene Paradiese, freche Pointenparade
Selten wurde so viel Aufhebens um ein unartiges Kind gemacht: Für ihre konzertante Aufführung von Ravels dreiviertelstündigem Meisterwerk «L’Enfant et les Sortilèges» versammelten die Berliner Philharmoniker im November 2008 eine Sängerriege, mit der man eine ganze Serie von Galaabenden hätte bestreiten können. Auf dem Podium scharten sich Stars wie José Van Dam, Annick Massis, Nathalie Stutzmann und natürlich Rattle-Gattin Magdalena Kozená – da durfte man durchaus auf eine neue Interpretation mit Referenzcharakter hoffen.
Dass der jetzt von der EMI veröffentlichte Mitschnitt zwar eine gute, aber keine außergewöhnliche Aufnahme ist, liegt jedoch gerade an den Stars, die zwar Stilbewusstsein, aber nicht in jedem Fall die optimalen Stimmen mitbringen. François Le Roux produziert als Großvateruhr viel heiße Luft, Annick Massis ist als Feuer etwas tantenhaft, und das komische Talent von Nathalie Stutzmanns China-Tasse hält sich in Grenzen (als Mutter ist sie allerdings besser). Der Star der Aufnahme ist ohnehin das Orchester: Die Berliner spielen Ravels Partitur ganz auf Raffinesse hin und entfalten, etwa in der Märchenbuch-Episode, die duftige Aura ihres lichten, schwerelosen ...
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«Celebrities» hieß eine Berliner Ausstellung im Hamburger Bahnhof, die Andy Warhol und seinen Stars huldigte. Gleichzeitig analysierte man dort den «Kult des Künstlers», eines allmächtigen «Schöpfers», in dessen Seele Gespenster oder Teufel hausen können. «Reliquien vom Künstlergott haben zu wollen», so der Berliner Museumschef Peter-Klaus Schuster, «das treibt den...
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Das Drum und Dran sorgte einmal mehr für ebenso viel Gesprächsstoff wie die Aufführung selbst: Kaum war die Premiere von Glucks «Iphigénie en Aulide» mit Riccardo Muti am Pult über die Bühne gegangen, drohten die Gewerkschaften mit Streiks für die weitere Serie (ohne die Drohung letztlich wahr zu machen). Denn das Kulturministerium, das Italiens Opernhäusern...
