Sympathie mit dem Tode
Der erste Körperkontakt ist spielerisch und zynisch zugleich. Isolde greift nach Tristans Hand. Sie zieht diese Hand förmlich aus dem Ärmel ihres geliebten Todfeindes. Sie tut so, als wäre es umgekehrt, als hätte Tristan nach ihr gegriffen. Sie spielt, Hand in Hand, eine Szene, die in Kürze stattfinden wird: Tristan führt Isolde ihrem künftigen Ehemann zu, dem alten König Marke. Abscheu und Angst, die Isolde mit dieser Begegnung verbindet, all das spricht ihr Körper aus. Und doch ist diese Szene noch etwas ganz anderes: ein verzweifelter Annäherungsversuch.
Es wird noch dauern, bis sich die Körper finden. Nachdem Isolde und Tristan ausgesprochen haben, was sie trennt, nachdem der Trank, der zum Tod führen soll, geschluckt ist, stehen sie weit voneinander entfernt. Sie warten, Schweiß auf der Stirn. Sie umkreisen sich wie lauernde Tiere, Isolde immer den ersten Schritt machend, das Tempo vorgebend. Der innere Druck wächst Takt für Takt. Jedem könnte jetzt der Kreislauf wegkippen oder buchstäblich das Herz stillstehen. Irgendwann, nach endlosem Schweigen, Starren, Mauern, knickt Tristan zusammen. Er fällt nieder, küsst den Saum ihres Kleides. Eine Rittergeste. Eine Unterwerfung. ...
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Das glaube ich nicht. Aber die Art, wie bestimmte Partien zeitweise eher schwer und dann wieder sehr lyrisch besetzt werden, erweckt vielleicht diesen Eindruck. Jede...
Die verengende Transposition von Goethes epochalem Briefroman aus dem Jahr 1774 in das schlichte Handlungsschema einer «Literaturoper» eröffnete der Musik neue Weite: Räume der Seele und gewiss auch des Körperlichen in üppiger Fin-de-Siècle-Pracht. Neben der Fassung mit einem Tenor in der Titelpartie sah Massenet in einer weiteren Version einen Bariton als...
Wenn große Opernhäuser sich der Operette widmen, darf man Besonderes erwarten. Denn der Einsatz vokaler und orchestraler Veredelungsmittel impliziert zugleich den Anspruch, den Stücken einen Erkenntnisgewinn über den puren Unterhaltungswert hinaus abzuverlangen. An der Dresdner Semperoper war das zuletzt mit Emmerich Kalmans von Peter Konwitschny in die...
