Sympathie mit dem Tode
Der erste Körperkontakt ist spielerisch und zynisch zugleich. Isolde greift nach Tristans Hand. Sie zieht diese Hand förmlich aus dem Ärmel ihres geliebten Todfeindes. Sie tut so, als wäre es umgekehrt, als hätte Tristan nach ihr gegriffen. Sie spielt, Hand in Hand, eine Szene, die in Kürze stattfinden wird: Tristan führt Isolde ihrem künftigen Ehemann zu, dem alten König Marke. Abscheu und Angst, die Isolde mit dieser Begegnung verbindet, all das spricht ihr Körper aus. Und doch ist diese Szene noch etwas ganz anderes: ein verzweifelter Annäherungsversuch.
Es wird noch dauern, bis sich die Körper finden. Nachdem Isolde und Tristan ausgesprochen haben, was sie trennt, nachdem der Trank, der zum Tod führen soll, geschluckt ist, stehen sie weit voneinander entfernt. Sie warten, Schweiß auf der Stirn. Sie umkreisen sich wie lauernde Tiere, Isolde immer den ersten Schritt machend, das Tempo vorgebend. Der innere Druck wächst Takt für Takt. Jedem könnte jetzt der Kreislauf wegkippen oder buchstäblich das Herz stillstehen. Irgendwann, nach endlosem Schweigen, Starren, Mauern, knickt Tristan zusammen. Er fällt nieder, küsst den Saum ihres Kleides. Eine Rittergeste. Eine Unterwerfung. ...
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