Surreale Reise
Das Autorenkollektiv Soeren Voima grenzt sich vom «Theater der großen Texte» ebenso ab wie vom kritischen Theater mit seinem «leer laufenden Protestiergestus», der «die soziale Realität nur klischeehaft wiedergibt». Der Stoff des Stückes «Herr Ritter von der traurigen Gestalt», Anfang 2006 am Staatstheater Stuttgart uraufgeführt, ist mit Bedacht gewählt.
Cervantes’ Don Quijote alias Herr Ritter, Filialleiter im Ruhestand, zeigt den Dramatikern wie von selbst den Weg, auf dem sie die Probleme deutscher Theaterpraxis elegant umschiffen und doch zur Realität Stellung beziehen können. «Die größte Kunst besteht darin, ohne Grund unsinnig zu werden», lautet der wohl berühmteste Satz der Romanvorlage.
Dass Don Quijote stets eine als Romanheld verkappte Theaterfigur zu sein schien, deren Traumwelt in ihre vom Realitätsprinzip durchdrungene Umgebung hineinschwappt, hat in allen Zeiten zu immer neuen Theateradaptionen geführt. Ein edler Ritter in einer gänzlich unritterlichen Welt: Es muss das tendenziell Surreale der Figur sein, welches Theater- und Opernmacher (Purcell, Paisiello, Telemann, Massenet) vieler Epochen faszinierte. Mit der Poetisierung der Wirklichkeit steckt der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In der Spätzeit der DDR lag Stralsund am Boden. Noch zu Beginn der neunziger Jahre, kurz nach der Wende, bot sich dem Besucher, der durch die Gassen der einstmals florierenden Hansestadt flanierte, ein Bild der Verheerung: blinde Fenster, bröckelnder Putz, löchrige Dächer, schimmelndes Holz – wüstes Terrain, wohin das Auge blickte. Und das mitten in jenem von der...
Die Salzburger Festspiele haben im Mozartjahr 2006 alle 22 Mozart-Opern szenisch präsentiert. Alle Produktionen sind inzwischen auch als DVD erhältlich (siehe OW 2/2007). Die globale Distribution selbst der Jugendwerke und Fragmente kann freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Mozart-Kanon in den letzten beiden Jahrzehnten kaum verbreitert hat. Gewiss,...
Herr López-Cobos, Sie haben neunzehn Jahre lang, von 1971 bis 1990, das Orchester der Deutschen Oper Berlin dirigiert, zehn Jahre davon als Musikchef. Damals zählte das Haus zu den ersten Adressen der internationalen Opernszene. Warum sind Sie gegangen?
Ich hatte den Eindruck, dass die Routine überhand nahm. Ich war opernmüde und wollte mich neu orientieren. Die...
