Auf der Achterbahn
Judith Weir korrigiert in ihrer 2011 als Koproduktion der Bregenzer Festspiele und der Royal Opera Covent Garden uraufgeführten Oper «Miss Fortune» eine trügerische Märchenbotschaft: Gutsein und Können allein reichen nicht, wenn das Leben gelingen soll. Die britische Hofkomponistin vertonte ein sizilianisches Märchen aus der Sammlung von Giuseppe Pitrè, das Werk könnte das schmale Erfolgsrepertoire intelligenter und groß besetzter abendfüllender Opern für junges Publikum bereichern.
Zur zweiten Vorstellung der deutschen Erstaufführung in englischer Sprache applaudiert das Publikum im Theater Hildesheim begeistert der üppigen tonalen, hermetisch wirkenden Partitur. Die wellenartig und in periodischen Schichtungen fließende Instrumentation sowie eine hohe Kantabilität der Solopartien bescheren dem Werk und dem jungen Ensemble vollauf zu Recht einen großen Erfolg. Die Komponistin räsonierte derweil auf ihrem Blog über den deutschen Titel «Achterbahn», einem Symbol für den Wandel von Wohlstand in Armut und alle daraus erwachsenden Missgeschicke. Der Chor, dem Weir in ihrem eigenen Textbuch umfangreiche Aufgaben zuteilte, kommt als Opfer prekärer Verhältnisse mit Schmutzfarben ins ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 63
von Roland H. Dippel
Im Ranking der meistgespielten Opern lebender Komponisten rangierte Kurt Weills Einakter «Der Zar lässt sich fotografieren» von der Uraufführung 1928 bis zu dessen Verbot 1933 auf dem zweiten Platz, gleich nach Strauss’ «Rosenkavalier». Seinen Erfolg verdankte Weills «Zeitoper» insbesondere ihrem gewitzten Aktualitätsbezug. In der Partitur pulsieren nicht nur Jazz...
Verdis «Otello» ist ein grandioses Stück Theater. Es funktioniert auch noch, nachdem gewisse Kreise die Parole des Blackfacing-Verbots ausgegeben haben. Wobei – dies sei in Erinnerung gerufen – der ursprüngliche Otello, der Held einer 1566 erschienenen Erzählung des Renaissance-Schriftstellers Giambattista Giraldi Cinzio, eigentlich gar kein people of colour war,...
Bertolt Brecht hielt nicht besonders viel von der Oper – für ihn war sie ein «wirklichkeitsfremdes» Vergnügen für dicke Bäuche samt Uhrkette und ihre aufgetakelten Gattinnen. Gleichwohl beließ er es nicht bei seiner Kritik an der «völligen Verblödung» der Gattung, sondern erkannte in dieser erzbürgerlichen Kunstform auch das Trojanische Pferd, um seine...
