Auf der Achterbahn
Judith Weir korrigiert in ihrer 2011 als Koproduktion der Bregenzer Festspiele und der Royal Opera Covent Garden uraufgeführten Oper «Miss Fortune» eine trügerische Märchenbotschaft: Gutsein und Können allein reichen nicht, wenn das Leben gelingen soll. Die britische Hofkomponistin vertonte ein sizilianisches Märchen aus der Sammlung von Giuseppe Pitrè, das Werk könnte das schmale Erfolgsrepertoire intelligenter und groß besetzter abendfüllender Opern für junges Publikum bereichern.
Zur zweiten Vorstellung der deutschen Erstaufführung in englischer Sprache applaudiert das Publikum im Theater Hildesheim begeistert der üppigen tonalen, hermetisch wirkenden Partitur. Die wellenartig und in periodischen Schichtungen fließende Instrumentation sowie eine hohe Kantabilität der Solopartien bescheren dem Werk und dem jungen Ensemble vollauf zu Recht einen großen Erfolg. Die Komponistin räsonierte derweil auf ihrem Blog über den deutschen Titel «Achterbahn», einem Symbol für den Wandel von Wohlstand in Armut und alle daraus erwachsenden Missgeschicke. Der Chor, dem Weir in ihrem eigenen Textbuch umfangreiche Aufgaben zuteilte, kommt als Opfer prekärer Verhältnisse mit Schmutzfarben ins ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 63
von Roland H. Dippel
Junge Liedersänger und Lied-Duos haben heute vielfältige Möglichkeiten, in diesem wohl schwierigsten Repertoire des klassischen Gesangs ihren Weg zu machen. In Deutschland helfen die Stuttgarter Hugo-Wolf-Akademie und die Heidelberger Liedakademie mit ihren Wettbewerben, in Frankreich die 2018 gegründete Académie Orsay-Royaumont mit ihren Liedkursen. Das...
Der Berg ruht. Ist ganz jener «starrende Fels», wie ihn Ludwig Rellstab in seinem Gedicht «Der Aufenthalt» besungen und Franz Schubert ihn in jenes elegische e-Moll-Lied gekleidet hat, dessen trockene Triolen noch nach dem Schlusston weiter durch Hirn und Herz pochen. Das bewaldete Gebirg’, welches die 17.000-Seelen-Gemeinde zur Schweizer Grenze schutzgebietend...
Was hätte ein Komponist Umberto Eco unternommen, wenn er sein Opus «Der Name der Rose» nicht in den 1980er-Jahren als Roman, sondern heute als Musiktheater geschrieben hätte? Mit dieser Frage im Kopf begann der Komponist Francesco Filidei seine Arbeit an der Opernversion eines der größten internationalen Bucherfolge des ausgehenden 20. Jahrhunderts – übersetzt in...
