Der Duft weißer Rosen

Kate Lindsey singt Lieder von Schumann und Fauré, Éric Le Sage begleitet sie sanft dabei

Opernwelt - Logo

Aus männlicher Perspektive mögen jene Verse, die Adelbert Chamisso im zweiten Gedicht seines Zyklus’ «Frauenliebe und -leben» der imaginären Liebenden in den Mund legte, durchaus der Wahrheit entsprechen: «Er, der Herrlichste von Allen, / Wie so milde, wie so gut!». Schön wär’s – denn damit zeichnet der romantische Dichter ein nicht nur verklärendes, sondern zudem längst überholtes Bild des Mannes, den die Frau bedenkenlos anhimmelt.

Robert Schumann indes glaubte noch an solche Traumbilder, als er Chamisso vertonte: Für das zweite Stück seines Liederzyklus «Frauenliebe und -leben» wählte er kaum zufällig die numinose Tonart Es-Dur. Damit nicht genug: «Innig, lebhaft» möge die Laudatio ausfallen. Nicht so bei Kate Lindsey, die Schumanns «Frauenliebe und -leben» jetzt gemeinsam mit dem Pianisten Éric Le Sage aufgenommen hat: Ihr Lob des «starken» Geschlechts fällt eher verhalten aus, und auch die Begeisterung über die männlich-milde Güte hält sich hörbar in Grenzen. Was betrüblicherweise auch überschaubar bleibt, ist die Textverständlichkeit, und das hatte sich schon im ersten Lied angedeutet. Beinahe spannungslos, hier und da sogar falsch betont ist der Text, und doch etwas ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Medien, Seite 39
von Virginie Germstein

Weitere Beiträge
Spiel des Lebens

Das Genie des Leidens sitzt vorne rechts, am äußersten Rand der Bühne, an einem viel zu kleinen Schreibtisch. Oder besser: Ein Teil von ihm sitzt dort, umgeben von Büchern, Notizheften, einem rotleuchtenden Blümlein, einer Flasche Wein und anderen nützlichen oder weniger nützlichen Utensilien. Harry Haller, «ein Mann von annähernd fünfzig Jahren», wie sein Schöpfer...

«Ist das nicht wunderbar?»

Frau Akhmetshina, in drei Stunden singen Sie die Adalgisa. Trotzdem haben Sie sich bereit erklärt, dieses Gespräch zu führen. Sind Sie besonders cool?
Nein, nur ziemlich müde. Ich habe vergangene Nacht zwei Stunden geschlafen und bin gerade erst von Brüssel nach Wien geflogen. Da ich aber ohnehin für den Abend wach werden muss, kommt mir das hier gerade recht. Und...

Der Wutbürger schießt

Richard Wagner verehrte zeitlebens Daniel-François-Esprit Aubers «Muette de Portici». Das Stück war für ihn ein prägendes Jugenderlebnis, nicht nur wegen des spektakulären Sujets des neapolitanischen Lazzaroni-Aufstands von 1647 und des tragischen Scheiterns seines charismatischen Führers Masaniello, der wie ein Schatten die Konzeption von «Rienzi» begleiten wird,...