Der Duft weißer Rosen
Aus männlicher Perspektive mögen jene Verse, die Adelbert Chamisso im zweiten Gedicht seines Zyklus’ «Frauenliebe und -leben» der imaginären Liebenden in den Mund legte, durchaus der Wahrheit entsprechen: «Er, der Herrlichste von Allen, / Wie so milde, wie so gut!». Schön wär’s – denn damit zeichnet der romantische Dichter ein nicht nur verklärendes, sondern zudem längst überholtes Bild des Mannes, den die Frau bedenkenlos anhimmelt.
Robert Schumann indes glaubte noch an solche Traumbilder, als er Chamisso vertonte: Für das zweite Stück seines Liederzyklus «Frauenliebe und -leben» wählte er kaum zufällig die numinose Tonart Es-Dur. Damit nicht genug: «Innig, lebhaft» möge die Laudatio ausfallen. Nicht so bei Kate Lindsey, die Schumanns «Frauenliebe und -leben» jetzt gemeinsam mit dem Pianisten Éric Le Sage aufgenommen hat: Ihr Lob des «starken» Geschlechts fällt eher verhalten aus, und auch die Begeisterung über die männlich-milde Güte hält sich hörbar in Grenzen. Was betrüblicherweise auch überschaubar bleibt, ist die Textverständlichkeit, und das hatte sich schon im ersten Lied angedeutet. Beinahe spannungslos, hier und da sogar falsch betont ist der Text, und doch etwas ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Medien, Seite 39
von Virginie Germstein
Es ist ein heiteres Stück mit einem traurigen Ende, und ich selbst habe meinen Platz an diesem traurigen Ende.» So hat Leoš Janáček «Die Abenteuer der Füchsin Schlaukopf» – dies der originale Titel seiner 1924 in Brünn uraufgeführten Oper – charakterisiert, in der sich Tiere wie Menschen in einem ewigen Kreislauf von Leben und Tod, Werden und Vergehen begegnen. Die...
Oper? Tanztheater? Tragödie? Oder gar Comedy? Franck Chartier würde vermutlich nie nein sagen. Formal gesehen firmiert seine Inszenierung von Purcells «Dido and Aeneas» als Debüt in der Musiktheaterregie: für die Opernhäuser in Genf, Lille und Luxembourg. Und jetzt eben Basel. Doch das Ergebnis lässt sich erst mal schwer greifen. So wie der Sand, den es im Laufe...
In der Vorstellungskraft dieses Mannes scheint nichts unmöglich: Ein Haus errichten und eine Familie gründen will Peer Gynt mit einer Braut, die er eben von der Hochzeit weggestohlen hat (als sie sich ihm nicht willig zeigt, wandelt sich Zuneigung innerhalb eines Wimpernschlags in Hass, die Begehrte wird als «Hure» abgestoßen, als wäre zuvor nichts geschehen)....
