Süße Träume
Der Abbé lächelt nicht. Streng, distanzierterhaben ist sein Blick, es ist der Blick eines Mannes, der um die Wirrnisse des Lebens weiß. Doch auch die anderen Herren im Konferenzzimmer scheinen vor allem eines im Sinn zu haben: die Würde des Amtes zu bekunden, das sie alle einmal innehatten – das Rektorat der Liszt-Ferenc-Akademie zu Budapest, deren Namensgeber, Ehre, wem Ehre gebührt, in der Mitte hängt – natürlich nicht er selbst, sondern sein Konterfei. Und es ist wohl kaum vermessen, wenn man annimmt, dass ihn die einzige Dame im erlauchten Kreis erfreut hätte.
Franz Liszt liebte die Frauen, bevor er den Weg zu Gott fand. Andrea Vigh war bislang die einzige Frau, die – für zwei Legislaturperioden à fünf Jahren – an der Spitze dieser ruhm- und geschichtsreichen Institution stand. Und man darf annehmen, dass sie es nicht ganz leicht hatte, umgeben von lauter Patriarchen. Éva Marton hatte dergleichen Sorgen nie. Sie war das, was man einen Weltstar nennt. Eine Diva. Kein bedeutendes Haus, an dem sie mit ihrem hochdramatischen Sopran nicht die Wände zum Wackeln brachte. In ihrer Heimat Ungarn ist sie noch heute eine Ikone, und selbstverständlich trägt der 2014 ins Leben gerufene ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2024
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Jürgen Otten
Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Judica Semler kann das. Und erzählt, dass es, wenn Leute früher in der DDR Gesang studierten, oft hieß: «Wenn du schlecht bist, kommst du nach Döbeln!» Gewiss ein undankbarer «Ruf». Semler ficht die böse Sottise aber gar nicht an. Sie ist dem Mittelsächsischen Theater seit Jahren treu. War dort erst Regieassistentin, dann...
Die Programmwahl schmeckt nach einem Geschenk für den GMD. Einmal weg von der kleineren Dimension am mittleren Haus, endlich das «große» Ding drehen. Kompromisse? Egal, Augen zu und durch die Partitur hindurch. Genau das ist im Theater Regensburg nicht passiert. «Tristan und Isolde» mag dort für hochgezogene Augenbrauen sorgen, treibt aber dennoch einige...
Der Teufel trägt Trenchcoat, beigefarben, darunter ähnlich getönten, ziemlich edlen Zwirn, einen Anzug samt Hemd und Weste; auf der Nase sitzt eine modische Brille. Könnte, so elegant, wie ihn Kostümbildnerin Julia Rösler eingekleidet hat, durchaus ein feiner Herr sein, doch ebensogut würde der grandios spielende und extrem variabel singende Krzszytof Bączyk als...
