Süße Bonbons
Drei Mal «La Bohème» binnen einer Woche, kann man das aushalten? Oder nervt das dritte «Che gelida manina …» womöglich schon? Um gleich Entwarnung zu geben: Belastungstests dieser Art sind sogar ungemein erhellend, denn in der hohen Schlagzahl schält sich so etwas wie ein heißer Kern des Werks an sich heraus, der aus Momenten besteht, die immer funktionieren, weil sie einfach perfekt gemacht sind.
Wie immer man zu Puccinis «La Bohème» steht, eines wird man zugeben müssen: dass diese Oper zu jenen Meisterwerken gehört, deren unmittelbarer Wirkkraft auch mittlere, schlechte oder selbst konzeptionell missglückte Aufführungen kaum etwas anhaben können.
Zahlreiche Häuser setzen in diesem Winter auf Wiederaufnahmen, es sind legendäre Produktionen dabei wie Peter Konwitschnys Leipziger Deutung, Klassiker wie Götz Friedrichs Version an der Deutschen Oper Berlin, Christine Mielitz’ Dresdener Version von 1983. Und allein in Nordrhein-Westfalen gibt es neben Wiederaufnahmen derzeit auch drei Neuproduktionen. Also höchste Zeit zu fragen, ob das viel zitierte Missverständnis von Erich Kästner aus «Pünktchen und Anton» noch zutrifft: «Man gab Bohème, das ist eine sehr schöne Oper, und die Musik ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Regine Müller
Für das Teatro dell’Opera di Roma ist eine Saisoneröffnung mit Arrigo Boitos «Mefistofele» ein eher maßvoll ambitioniertes Unterfangen. Man kennt das Stück, dessen siebenstündige Erstfassung 1868 in Mailand weiland noch durchfiel (die auf weniger als die Hälfte eingekürzte Version setzte sich 1875 in Bologna durch) und in dem Boito eine Art Synthese von...
Gleich drei Mal reiste Igor Strawinsky von Los Angeles nach Baden-Baden, um im Hans-Rosbaud-Studio seine Werke einzustudieren und aufzunehmen. Auch Paul Hindemith, Luigi Nono, Olivier Messiaen und Karlheinz Stockhausen waren mehrfach zu Gast, der junge Pierre Boulez startete hier seine Karriere als Dirigent. Das 1950 in nur sechs Monaten für seinerzeit 500 000...
Herr Köhler, ein Kritikerkollege aus dem Schauspiel hat Sie einmal einen «Theatermacher essenzieller Zeichen» genannt. Haben Sie eine Ahnung, was er damit sagen wollte?
Es ist immer schwer, so etwas selbst einzuschätzen. Aber in meiner Auseinandersetzung mit den Stücken geht es nie um Zeichen – es beginnt immer mit dem Konzept. Sowohl im Schauspiel als auch in der...
