Diskurs ist alles
Bergamo bebte. Gleich fünf neue Opernproduktionen sowie verschiedenartige weitere Formate, darunter die traditionelle Geburtstagsfeier für Donizetti am 29. November, bildeten einen würdigen Rahmen für die diesjährige Ausgabe des Festivals.
Mit «LU OperaRave», einer Rave-Version von «Lucia di Lammermoor», an der einige der führenden europäischen Elektronikmusiker beteiligt waren, gab es eine echte Novität – gleichsam als Pendant zur originalen Oper, die zwei Jahre nach der Uraufführung 1837 am Teatro San Carlo in Neapel für das Pariser Théâtre de la Renaissance angepasst wurde und dort ein großer, dauerhafter Erfolg war. Aufgrund ihrer reduzierten Gestalt wird «Lucie de Lammermoor» im kleinen Teatro Sociale aufgeführt. Dass Lucie die einzige Frau ist, spielt eine wesentliche Rolle in Jacopo Spireis Inszenierung, die aktuelle Debatten über Gewalt gegen Frauen aufgreift. In der ersten Szene wird eine Gruppenvergewaltigung durch Henris Gefährten dargestellt; in der letzten erscheinen die Leichen dieser Frauen, wie eine Erinnerung. Das Lucie Arthur ermordet, ist also nur ihre tragische Rebellion gegen die von Männern dominierte Welt.
Die musikalische Darbietung besitzt ansprechendes ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Im Fokus, Seite 20
von Stefano Nardelli
Als Karlheinz Stockhausens «Sonntag aus Licht» 2011, drei Jahre nach dem Tod des Komponisten, in Köln uraufgeführt wurde, kamen größere Teile des Publikums in weißer oder goldener Kleidung. Warum? Weil es die Farben dieses Wochentags sind. Und weil es in Deutschland durchaus eine Stockhausen-Gemeinde gibt, die ihren «Meister» nicht nur aus musikalischen Gründen...
Sarah Aristidou gehört zur wachsenden Zahl junger Sängerinnen und Sänger, die sich nicht damit zufriedengeben, auf ihren CD-Projekten einfach einen Lieder- oder Arienabend akustisch zu speichern, sondern die Chance des Mediums ergreifen, die traditionellen Programmstrukturen zu überschreiten. Jetzt legt sie mit «Enigma» ein Album vor, das die Rätsel des Lebens...
Der Auftrag kam von höchster Stelle. Kein Geringerer als Louis XIV persönlich wünschte sich von seinem surintendant de la musique du Roy für die Karnevalsfeierlichkeiten des Jahres 1675, zu denen er europäische Politprominenz an den Königshof im Schloss Saint-Germain-en-Laye einzuladen gedachte, ein dem Anlass würdiges Bühnenwerk. Und Jean-Baptiste Lully, wissend,...
