Diskurs ist alles
Bergamo bebte. Gleich fünf neue Opernproduktionen sowie verschiedenartige weitere Formate, darunter die traditionelle Geburtstagsfeier für Donizetti am 29. November, bildeten einen würdigen Rahmen für die diesjährige Ausgabe des Festivals.
Mit «LU OperaRave», einer Rave-Version von «Lucia di Lammermoor», an der einige der führenden europäischen Elektronikmusiker beteiligt waren, gab es eine echte Novität – gleichsam als Pendant zur originalen Oper, die zwei Jahre nach der Uraufführung 1837 am Teatro San Carlo in Neapel für das Pariser Théâtre de la Renaissance angepasst wurde und dort ein großer, dauerhafter Erfolg war. Aufgrund ihrer reduzierten Gestalt wird «Lucie de Lammermoor» im kleinen Teatro Sociale aufgeführt. Dass Lucie die einzige Frau ist, spielt eine wesentliche Rolle in Jacopo Spireis Inszenierung, die aktuelle Debatten über Gewalt gegen Frauen aufgreift. In der ersten Szene wird eine Gruppenvergewaltigung durch Henris Gefährten dargestellt; in der letzten erscheinen die Leichen dieser Frauen, wie eine Erinnerung. Das Lucie Arthur ermordet, ist also nur ihre tragische Rebellion gegen die von Männern dominierte Welt.
Die musikalische Darbietung besitzt ansprechendes ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Im Fokus, Seite 20
von Stefano Nardelli
Medea tanzt. Doch nicht im walzerseligen Dreiertakt schwebt die Zauberin über die Bühne. In ihrem heftigen Zucken wohnt der pure Zorn. Aber auch ein bisschen Traurigkeit und Verzweiflung. Denn diese Medea weiß sich (noch) keinen Rat, wie sie da durchs maschendrahtumhüllte Gehege fegt im güldenen Gewand (ist es womöglich mit dem Stoff jenes Goldenen Vlieses...
Sie tun es alle irgendwann, und meistens mehrfach im Jahr. Am häufigsten vielleicht Frank-Walter Steinmeier und Olaf Scholz sowie die Fußballerinnen und Fußballer mit dem deutschen Adler auf der Brust. Und nicht nur sie; fast jeder Deutsche hat sich irgendwann mal an Haydns bekanntester Melodie versucht, der früheren Kaiserhymne und dem späteren Deutschlandlied....
Die Wege zur Liebe sind, wie die Wege der Liebe selbst, häufig verschlungen. Auch bei Jean Anouilh, den wir vor allem als «Übersetzer» des antiken Antigone-Stoffes kennen. Sein Poem «Les Chemins de l’amour» beweist, wie gewandt der Dramatiker auf diesem Gebiet war, und so verwundert es wenig, dass Francis Poulenc die Verse zu einer Mélodie für Gesang und Klavier...
