Alpha und Omega
Sarah Aristidou gehört zur wachsenden Zahl junger Sängerinnen und Sänger, die sich nicht damit zufriedengeben, auf ihren CD-Projekten einfach einen Lieder- oder Arienabend akustisch zu speichern, sondern die Chance des Mediums ergreifen, die traditionellen Programmstrukturen zu überschreiten. Jetzt legt sie mit «Enigma» ein Album vor, das die Rätsel des Lebens umkreist – Fragen, auf die die Musik in unterschiedlichen Echos antwortet, die von Schubert bis Jörg Widmann reichen, der mit von der Partie ist und für seine Lieblingssängerin ein neues Werk komponiert hat.
Sarah Aristidou setzt bei ihrer Suche nach dem Urklang, die sie zusammen mit dem gleichfalls in allen Stilen versierten Pianisten Daniel Arkadij Gerzenberg unternimmt, noch früher an und geht hinter das Wort auf den puren Klang, den reinen Ton zurück – im «Lamento turco» ihres zypriotischen Landsmanns Andreas Tsiartas, einem wortlosen Solo-Lied auf den Vokal «A». Was wir hören, taucht gleichsam aus dem Nichts auf, kommt näher und näher, wird heftiger, ja geradezu exaltiert und endet in einem Schrei der Geburt oder des Todes. Spätromantisch kultiviert wiederholt sich diese Verständigung der Stimme mit sich selbst in zwei ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 25
von Uwe Schweikert
Lustig immerhin ist die kleine Dichterstube, die sich kopfüber drehen kann, so wie es wohl im Haupte Hoffmanns rundgeht. Erst klebt er noch im Bett an der Wand, dann purzelt er fortwährend in seiner Genie-Box herum – vollumfänglich hat er die Gesetze der Schwerkraft doch nicht hinter sich gelassen. Das Lied vom Klein Zack wird frisch aus dem Typoskript ge -sungen,...
Nichts ist so, wie es zunächst scheint», so pointiert Russell Hepplewhite die Handlung seiner Kammeroper «The Crash», die im Februar 2024 als Auftragswerk im Oldenburgischen Staatstheater uraufgeführt wird. Damit charakterisiert der britische Komponist zugleich das darin thematisierte (Schein-)Wesen des weltweiten Finanzmarktes. Prominentestes Beispiel der jüngeren...
Er zählt zu den eigenwillig schillernden, ihre künstlerische Individualität konsequent, nie lautstark verteidigenden Figuren der Neuen Musik nach dem Zweiten Weltkrieg. Umso bohrender in ihrer geisterhaften Komplexität ist York Höllers einzige Oper, die moderne Faust-Legende «Der Meister und Margarita» auf Michail Bulgakows gleichnamigen Roman. Nur wenige...
