Sturm und Drang

Mozart: La clemenza di Tito
AUGSBURG | STAATSTHEATER | MARTINI-PARK

Mit «Milde» lässt sich das Wort übersetzen, auch mit «Gnade» oder «Nachsicht». Die Augsburger sind, Italienisch-Kundige müssen stark sein, da etwas frei. «La clemenza di Tito» wird hier als «Laune» des römischen Imperators ausgelegt. Der ist auf der Bühne des Martini-Parks nicht immer Respektsperson, vielmehr ein großes Kind, ein aufbrausender, überforderter Emporkömmling, der zu Mozarts Klängen auch mal ein narzisstisches Tänzchen wagt.

Vor allem aber zeigt ihn Regisseur Wojtek Klemm als traumatisiert: Seine Berenice, zwangsweise vom Hof verstoßen, hat dieser Kaiser nicht vergessen. Noch immer spukt sie als einzig wahre Liebe in seinem Kopf herum – und so auch in den Videos, mit denen die aktuellen Affären Titos im Wortsinn überblendet werden.

Man erfährt also durchaus Neues über Mozarts Figuren in dieser Premiere, insbesondere über die dunkle Seite der Macht. Das betrifft zum Beispiel Sesto, der nicht nur, wie sonst auch, Zentrum der Oper ist, sondern ein gefährlicher Manipulator sein kann. Sein «Parto, parto» ist da nicht dankbare Vorführnummer, sondern Dokument eines Mannes, der die von ihm angebetete Vitellia in Bedrängnis bringt. Dass dieser Sesto das Kapitol in Brand ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Generation Freiheit

Frau Šlekytė, Ihr Vorname bedeutet in unserer Sprache «heiter». Ist Heiterkeit eine vorherrschende Konstante Ihres Lebens?
Das wäre sehr schön. Aber ich lebe auf diesem Planeten, der mir zusehends Sorgen bereitet. Vielleicht sagen wir es so: Es gibt verschiedene Gefühle. Heiterkeit ist eines davon.
 
Was löst das eine wie das andere aus? Sind das künstlerische...

Schlachtengesänge

Zur Hochzeit der Opera seria in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gehörte Giuseppe Maria Boschi zu ihren erfolgreichsten Interpreten. Nachdem er 1710/1711 in London erstmals in Opern Georg Friedrich Händels gesungen hatte, ging er 1717 mit dem Komponisten Antonio Lotti an den Dresdner Hof, von wo ihn Händel erneut für die Royal Academy of Music abwerben...

Beziehungszauber

Über Jesus Christus und Richard Wagner, heißt es, seien so viele Texte geschrieben worden wie sonst über keine anderen historischen Figuren. Ob das stimmt, bleibe dahingestellt. Aber als Religionsstifter eigener Art hat Wagner jedenfalls durchaus fungiert. Entsprechend polarisierend war die Rezeption zwischen Verklärung und Verteufelung von der Mitte des...