Nachtschwarz
Verdis «Don Carlos» ist immer eine vertrackte Sache. Entscheidender noch als die musikphilologisch exakte Befolgung einer wie auch immer authentischen «Ur»-Fassung ist die Wahl der Sprache. Da kommt man heute, will man sich ernsthaft auf die von Verdi gelegte Struktur des Werks einlassen, um das Französische (und damit um die fünfaktige Anlage) nicht mehr herum. Wie sehr Verdi «Don Carlos» aus der Poetik und Sprachmelodie des Französischen entwickelt hat, belegt Anselm Gerhard in seinem Aufsatz für das Programmheft der Neuproduktion an den Bühnen Bern so triftig wie überzeugend.
Hier spielt man das große Werk zum Auftakt einer neuen Ära. Intendant Florian Scholz hat sich seine Sporen am Stadttheater Klagenfurt verdient und bringt von dort auch den neuen Chefdirigenten, Nicholas Carter, als Co-Operndirektor mit, zusammen mit dem erfahrenen Münchner Dramaturgen Rainer Karlitschek. Langjährige Weggefährten werden nun auch in der Schweizer Bundeshauptstadt auftauchen, so etwa der Regisseur Marco Štorman, der mit diesem weitgehend statuarischen, streng abstrakten, radikal nachtschwarzen «Don Carlos» nun seine Berner Visitenkarte abgegeben hat.
Anfangs wähnt man sich noch in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Karl Harb
Bilder aus Bergamo haben sich im Frühjahr 2020 in unser Gedächtnis eingeschrieben als Emblem der Schrecken im Zeichen von Covid-19. Insofern erscheinen zwei Videomitschnitte aus der Heimat Gaetano Donizettis heute fast wie aus der Zeit gefallen. Wenige Wochen zuvor, im November 2019, waren dort beim Festival eine kaum bekannte Opera buffa und eine der wichtigsten...
Wie das Wetter war? Vermutlich eisig. Vielleicht blinzelte an diesem 3. November 1843 in Sankt Petersburg hier und da mal die Sonne durch die grauen Ritzen, die Temperaturen dürften aber eher unter null Grad gelegen haben. Zumindest draußen. Drinnen jedoch, im Bolschoi Theater, glühte es, und das nicht nur der bullernden Heizung wegen. Nein, es war jene Dame, die...
Szenen aus dem Krankenhaus – hat uns damit die «Tagesschau» nicht schon genug angeödet? Lässt sich die Aktualität eines Sujets wirklich belegen, indem man Weißkittel und Patientenbetten auf die Bühne bringt? Es erschließt sich einem nicht, weshalb nun auch die Königstochter Iolanta in eine solche Anstalt gesperrt werden muss. Vielleicht ist es Kritik an der...
