Nachtschwarz
Verdis «Don Carlos» ist immer eine vertrackte Sache. Entscheidender noch als die musikphilologisch exakte Befolgung einer wie auch immer authentischen «Ur»-Fassung ist die Wahl der Sprache. Da kommt man heute, will man sich ernsthaft auf die von Verdi gelegte Struktur des Werks einlassen, um das Französische (und damit um die fünfaktige Anlage) nicht mehr herum. Wie sehr Verdi «Don Carlos» aus der Poetik und Sprachmelodie des Französischen entwickelt hat, belegt Anselm Gerhard in seinem Aufsatz für das Programmheft der Neuproduktion an den Bühnen Bern so triftig wie überzeugend.
Hier spielt man das große Werk zum Auftakt einer neuen Ära. Intendant Florian Scholz hat sich seine Sporen am Stadttheater Klagenfurt verdient und bringt von dort auch den neuen Chefdirigenten, Nicholas Carter, als Co-Operndirektor mit, zusammen mit dem erfahrenen Münchner Dramaturgen Rainer Karlitschek. Langjährige Weggefährten werden nun auch in der Schweizer Bundeshauptstadt auftauchen, so etwa der Regisseur Marco Štorman, der mit diesem weitgehend statuarischen, streng abstrakten, radikal nachtschwarzen «Don Carlos» nun seine Berner Visitenkarte abgegeben hat.
Anfangs wähnt man sich noch in ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Karl Harb
Überbeschäftigt?
Zuletzt sahen wir von Regisseur Johannes Erath Gounods «Faust» und Saariahos «L'Amour de loin» in Köln sowie Verdis «La traviata» in Hamburg und Mozarts «Le nozze di Figaro» in Dresden. Doch: Lebt es sich als viel gefragter Künstler gut «aus dem Koffer»? Und wie martert man sich wirklich treffende Regie-Ideen entlang der Stoffe mehrmals im Jahr aus...
Am ehemaligen Stammhaus seines vor 21 Jahren verstorbenen Lehrmeisters (dessen «Ring»-Deutung er ebendort ablöst) gibt sich Stefan Herheim auf den ersten Blick als gelehriger Schüler. Denn fast gebetsmühlenartig predigte Götz Friedrich seinerzeit den Studierenden, sie mögen doch bitte bei der Konzeption ihrer Inszenierungen unbedingt die drei dramaturgischen Zeiten...
Die Mitteilung lässt es an Deutlichkeit nicht mangeln. «Soffro». Ich leide, so sagt es unumwunden das literarische Alter Ego von Ada Negri in ihrem Gedicht «Nebbie», das vielleicht in Vergessenheit geraten wäre, hätte nicht Ottorino Respighi eine Musik dazu geschrieben, die uns noch heute unter die Haut geht. Zumal dann, wenn sich ein so begnadeter Textausdeuter...
