Nachtschwarz
Verdis «Don Carlos» ist immer eine vertrackte Sache. Entscheidender noch als die musikphilologisch exakte Befolgung einer wie auch immer authentischen «Ur»-Fassung ist die Wahl der Sprache. Da kommt man heute, will man sich ernsthaft auf die von Verdi gelegte Struktur des Werks einlassen, um das Französische (und damit um die fünfaktige Anlage) nicht mehr herum. Wie sehr Verdi «Don Carlos» aus der Poetik und Sprachmelodie des Französischen entwickelt hat, belegt Anselm Gerhard in seinem Aufsatz für das Programmheft der Neuproduktion an den Bühnen Bern so triftig wie überzeugend.
Hier spielt man das große Werk zum Auftakt einer neuen Ära. Intendant Florian Scholz hat sich seine Sporen am Stadttheater Klagenfurt verdient und bringt von dort auch den neuen Chefdirigenten, Nicholas Carter, als Co-Operndirektor mit, zusammen mit dem erfahrenen Münchner Dramaturgen Rainer Karlitschek. Langjährige Weggefährten werden nun auch in der Schweizer Bundeshauptstadt auftauchen, so etwa der Regisseur Marco Štorman, der mit diesem weitgehend statuarischen, streng abstrakten, radikal nachtschwarzen «Don Carlos» nun seine Berner Visitenkarte abgegeben hat.
Anfangs wähnt man sich noch in ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Karl Harb
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