Sturm im Wasserwerk
Auf der Opernbühne hat «The Tempest», vermutlich Shakespeares letztes Bühnenwerk, wenig Glück gehabt. Felix Mendelssohn Bartholdy stand kurz davor, das Stück als italienische Oper für London zu komponieren. Nach dessen Tod sprang Jacques Fromental Halévy, der Komponist der «Juive», ein und machte 1850 eine belanglose Primadonnen-Oper daraus. Frank Martin begeisterte sich 100 Jahre später für den Stoff. Sein «Sturm» wurde 1956 von der Wiener Staatsoper in deutscher Sprache aus der Taufe gehoben, als erste Uraufführung im wiederaufgebauten Haus am Ring.
Siebzig Jahre später kam «Der Sturm» nun zurück in die Heimatstadt des Komponisten, in der von Martin selbst eingerichteten französischen Fassung. Die mutige Stückwahl machte neugierig, wird doch der Pastorensohn aus Genf notorisch unterschätzt. Seine Tristan-Bearbeitung «Le Vin herbé» aus dem Jahre 1942, eine gelegentlich auch auf der Bühne anzutreffende oratorische Komposition, zählt unzweifelhaft zu den herausragenden Werken einer – gleichsam calvinistisch – gemäßigten Moderne. Auch «La Tempête» setzt auf leise Töne, fertiggestellt hatte der Komponist seine erste wirkliche Oper im reifen Alter von 66 Jahren.
Der erste Höreindruck ...
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Opernwelt November 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Anselm Gerhard
ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten P = Premiere UA = Uraufführung
DEUTSCHLAND
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Niemand war am Musiktheater im Revier bisher länger Generalintendant als Michael Schulz. Von 2008 bis 2025 lenkte der Regisseur das Theater der dauerkriselnden Ruhrgebietsstadt, und bis zum Schluss seiner Ära, die 2025 etwas abrupt endete (sein Vertrag lief eigentlich bis 2028), konnte man kaum von Ermüdungserscheinungen sprechen. Oder davon, dass programmatisch...
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